Vor Sonnenaufgang

von Ewald Palmetshofer nach Gerhart Hauptmann
Bühne Florian Lösche
Dramaturgie Anika Steinhoff
Deutsche Erstaufführung Ruhrfestspiele Recklinghausen
10. Mai 2018
Berlin-Premiere
9. September 2018, Kammerspiele
Eine Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Michael GoldbergEgon Krause
Regine ZimmermannAnnemarie Krause
Maike KnirschHelene
Franziska MachensMartha
Felix GoeserThomas Hoffmann
Alexander SimonAlfred Loth
Timo WeisschnurDr. Peter Schimmelpfennig
Egon Krause
Annemarie Krause
Helene
Thomas Hoffmann
Alfred Loth
Dr. Peter Schimmelpfennig
Das Kulturblog
Konrad Kögler, 10.05.2018
In Zeitlupe kreist die Drehbühne im Haus der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. [...]
In zweieinhalb pausenlosen Stunden nimmt der Untergang einer Familie ihren Lauf. [...]

Palmetshofer arrangierte dies mit knappen Dialogen, die von Kalauern und unvermittelten Brüchen geprägt sind, in denen sich die Unsicherheit seiner Figuren spiegelt. In Jette Steckels Inszenierung ist vor allem die bleierne Traurigkeit der Familie Krause zu spüren. [...]

Gegen Ende gönnt Steckel sich und uns etwas Abwechslung und greift in ihre umfangreiche Musiksammlung. Das Finale ist mit mehreren kurzen Schnipseln unterlegt, u.a. mit Austro-Pop von „Bilderbuch“.
In Zeitlupe kreist die Drehbühne im Haus der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. [...]
In zweieinhalb pausenlosen Stunden nimmt der Untergang einer Familie ihren Lauf. [...]

Palmetshofer arrangierte dies mit knappen Dialogen, die von Kalauern und unvermittelten Brüchen geprägt sind, in denen sich die Unsicherheit seiner Figuren spiegelt. In Jette Steckels Inszenierung ist vor allem die bleierne Traurigkeit der Familie Krause zu spüren. [...]

Gegen Ende gönnt Steckel sich und uns etwas Abwechslung und greift in ihre umfangreiche Musiksammlung. Das Finale ist mit mehreren kurzen Schnipseln unterlegt, u.a. mit Austro-Pop von „Bilderbuch“.
Westfälischer Anzeiger
Ralf Stiftel, 11.05.2018
Jette Steckel inszeniert trocken, nüchtern, auf einer fast leeren Bühne (Bühnenbild: Florian Lösche), die beherrscht wird von einem kreisrunden Podest, das sich dauernd dreht, langsam und quietschend. Bis hier die Tragödie durchschlägt, ist der Ton geradezu heiter, wie bei einer Sitcom. Das eingekaufte Paket, das der alte Krause ins Zimmer wuchtet, ist schrankgroß, bleibt aber immer unausgepackt. Der Karton ist mal Esstisch, mal Ruhebank für den posierenden Firmenchef Thomas.

Da sieht man streckenweise gern zu, vor allem wegen der starken Darsteller. Zum Beispiel in den Streitgesprächen zwischen Thomas Hoffmann, den Felix Groeser überraschend sensibel anlegt, gewiss ein Machtmensch, aber eher nachdenklich als skrupellos. Alexander Simon spielt den Loth zunächst beherrscht und distanziert. Erst später legt er emotionales Feuer in seine Vorwürfe, soweit der Text ihm das erlaubt. Schön auch die spröden Liebesszenen mit der jüngeren Tochter Helene, deren Verletzbarkeit Maike Knirsch unter burschikosen Posen verbirgt. [...]
Jette Steckel inszeniert trocken, nüchtern, auf einer fast leeren Bühne (Bühnenbild: Florian Lösche), die beherrscht wird von einem kreisrunden Podest, das sich dauernd dreht, langsam und quietschend. Bis hier die Tragödie durchschlägt, ist der Ton geradezu heiter, wie bei einer Sitcom. Das eingekaufte Paket, das der alte Krause ins Zimmer wuchtet, ist schrankgroß, bleibt aber immer unausgepackt. Der Karton ist mal Esstisch, mal Ruhebank für den posierenden Firmenchef Thomas.

Da sieht man streckenweise gern zu, vor allem wegen der starken Darsteller. Zum Beispiel in den Streitgesprächen zwischen Thomas Hoffmann, den Felix Groeser überraschend sensibel anlegt, gewiss ein Machtmensch, aber eher nachdenklich als skrupellos. Alexander Simon spielt den Loth zunächst beherrscht und distanziert. Erst später legt er emotionales Feuer in seine Vorwürfe, soweit der Text ihm das erlaubt. Schön auch die spröden Liebesszenen mit der jüngeren Tochter Helene, deren Verletzbarkeit Maike Knirsch unter burschikosen Posen verbirgt. [...]
Stücke-Blog
Lisa Oppermann, 13.05.2018
Steckels Inszenierung setzt auf schlichte, berührende Charakterentwicklung. [...]

Eines der zentralen Motive in Palmetshofers Text ist die Beziehung zwischen Figuren – zwischen Familienmitgliedern, zwischen Paaren, zwischen alten Freunden, zwischen den Menschen allgemein. [...] Steckel inszeniert das Bedürfnis nach Nähe und das tragische Scheitern daran. [...]

So scheinen die Figuren in der Berliner Inszenierung wesentlich verletzlicher. Sie reden ohne Ironie, werden nur passiv-aggressiv, wenn sie sich zurückgewiesen fühlen, und liegen sich nach Streits leidenschaftlich, fast verzweifelt in den Armen. Am deutlichsten ist die Verletzlichkeit von Martha, deren Depression Franziska Machens schmerzlich unironisch spielt: Sie wälzt sich energielos über die Bühne, als hätte sie keine Kraft aufzustehen, schlurft müde mit Schwangerschaftsbauch umher, schickt ihren Mann in Tränen aufgelöst mit stolzer Stimme fort, wimmert aber im nächsten Moment wieder wie ein Kind und fleht ihn an, sie festzuhalten. Diese Martha macht keine Witze, wenn sie sagt, sie sei mit Depressionen und in anderen Umständen so furchtbar „umständlich“ – sie meint es bitterernst. [...]

Ganz in der Tradition, nur die schlichten Figurenbeziehungen zu erzählen, ist der Bühnenraum [...] schwarz und abgesehen von einer runden Drehbühne leer. [...]

Die düstere Einfachheit des Berliner Bühnenbilds ist bestechend und zeigt schlichte Hoffnungslosigkeit. In der Schwärze gibt es nichts, woran Zuschauer oder Figuren sich orientieren oder festhalten können, ebenso wie auch Palmetshofers Figuren vergeblich nach einem Hoffnungsschimmer in ihrem Leben suchen. Die sich, wann immer der Dialog neue Fahrt aufnimmt, weiterdrehende Bühne zeigt die ständige Entwicklung in die immergleiche Richtung, das stetige Auseinanderdriften der Figuren, die Verhaltensmuster und Rituale, die im Familienleben zu eingespielt sind, um sich noch einmal zu ändern. Und doch erinnert das Knarzen, Knacken und Quietschen, das sie immer mal wieder von sich gibt, daran, wie instabil diese künstlich konstruierte, kleine Scheinwelt des heilen Familienlebens ist.
Steckels Inszenierung setzt auf schlichte, berührende Charakterentwicklung. [...]

Eines der zentralen Motive in Palmetshofers Text ist die Beziehung zwischen Figuren – zwischen Familienmitgliedern, zwischen Paaren, zwischen alten Freunden, zwischen den Menschen allgemein. [...] Steckel inszeniert das Bedürfnis nach Nähe und das tragische Scheitern daran. [...]

So scheinen die Figuren in der Berliner Inszenierung wesentlich verletzlicher. Sie reden ohne Ironie, werden nur passiv-aggressiv, wenn sie sich zurückgewiesen fühlen, und liegen sich nach Streits leidenschaftlich, fast verzweifelt in den Armen. Am deutlichsten ist die Verletzlichkeit von Martha, deren Depression Franziska Machens schmerzlich unironisch spielt: Sie wälzt sich energielos über die Bühne, als hätte sie keine Kraft aufzustehen, schlurft müde mit Schwangerschaftsbauch umher, schickt ihren Mann in Tränen aufgelöst mit stolzer Stimme fort, wimmert aber im nächsten Moment wieder wie ein Kind und fleht ihn an, sie festzuhalten. Diese Martha macht keine Witze, wenn sie sagt, sie sei mit Depressionen und in anderen Umständen so furchtbar „umständlich“ – sie meint es bitterernst. [...]

Ganz in der Tradition, nur die schlichten Figurenbeziehungen zu erzählen, ist der Bühnenraum [...] schwarz und abgesehen von einer runden Drehbühne leer. [...]

Die düstere Einfachheit des Berliner Bühnenbilds ist bestechend und zeigt schlichte Hoffnungslosigkeit. In der Schwärze gibt es nichts, woran Zuschauer oder Figuren sich orientieren oder festhalten können, ebenso wie auch Palmetshofers Figuren vergeblich nach einem Hoffnungsschimmer in ihrem Leben suchen. Die sich, wann immer der Dialog neue Fahrt aufnimmt, weiterdrehende Bühne zeigt die ständige Entwicklung in die immergleiche Richtung, das stetige Auseinanderdriften der Figuren, die Verhaltensmuster und Rituale, die im Familienleben zu eingespielt sind, um sich noch einmal zu ändern. Und doch erinnert das Knarzen, Knacken und Quietschen, das sie immer mal wieder von sich gibt, daran, wie instabil diese künstlich konstruierte, kleine Scheinwelt des heilen Familienlebens ist.
Westfälische Nachrichten
Harald Suerland, 13.05.2018
Ewald Palmetshofer hat gründlich aufgeräumt mit den naturalistischen Bestandteilen des Gerhardt-Hauptmann-Stücks „Vor Sonnenaufgang“: So gibt es weder dienende Nebenfiguren noch rustikalen Dialekt. Der österreichische Dramatiker legt aber keineswegs nur eine modernisierte Strichfassung des ursprünglichen Dramas vor, dessen Sozial-Appelle an der Schwelle zum 20. Jahrhundert heute etwas „historisch“ anmuten: Seine Texte, mit denen das Skelett der alten Figuren neues Fleisch bekommt, haben eine dramatische Wucht, auf die sich ein starkes Ensem­ble mit Wonne stürzen kann.

Regisseurin Jette Steckel macht in der Deutschen Erstaufführung bei den Ruhrfestspielen (die Uraufführung fand in Basel statt) den Zusammenprall der männlichen Protagonisten zum ersten Höhepunkt. Alexander Simon als flammend argumentierender Loth steht am Rand der Scheibe, die sich zweieinhalb Stunden lang sachte dreht, während Felix Goeser als Hoffmann selbstherrlich in der Mitte tafelt. [...]

Interessant, dass Palmetshofer die Figur der Ehefrau Martha neu erschafft: Bei Hauptmann gibt es sie nur indirekt, hier hingegen kokettiert sie mit ihrer Depression und macht das schreckliche Ende der Totgeburt greifbarer. Die kleine Schwester Helene hingegen, von Loth erst geliebt und dann fallengelassen, darf weiterleben. Diese Aneignungen des alten Stücks sind so stimmig und seine kunstvoll rhythmisierte Sprache ist so stark, dass der originale Hauptmann im Vergleich fast museal wirkt.
Ewald Palmetshofer hat gründlich aufgeräumt mit den naturalistischen Bestandteilen des Gerhardt-Hauptmann-Stücks „Vor Sonnenaufgang“: So gibt es weder dienende Nebenfiguren noch rustikalen Dialekt. Der österreichische Dramatiker legt aber keineswegs nur eine modernisierte Strichfassung des ursprünglichen Dramas vor, dessen Sozial-Appelle an der Schwelle zum 20. Jahrhundert heute etwas „historisch“ anmuten: Seine Texte, mit denen das Skelett der alten Figuren neues Fleisch bekommt, haben eine dramatische Wucht, auf die sich ein starkes Ensem­ble mit Wonne stürzen kann.

Regisseurin Jette Steckel macht in der Deutschen Erstaufführung bei den Ruhrfestspielen (die Uraufführung fand in Basel statt) den Zusammenprall der männlichen Protagonisten zum ersten Höhepunkt. Alexander Simon als flammend argumentierender Loth steht am Rand der Scheibe, die sich zweieinhalb Stunden lang sachte dreht, während Felix Goeser als Hoffmann selbstherrlich in der Mitte tafelt. [...]

Interessant, dass Palmetshofer die Figur der Ehefrau Martha neu erschafft: Bei Hauptmann gibt es sie nur indirekt, hier hingegen kokettiert sie mit ihrer Depression und macht das schreckliche Ende der Totgeburt greifbarer. Die kleine Schwester Helene hingegen, von Loth erst geliebt und dann fallengelassen, darf weiterleben. Diese Aneignungen des alten Stücks sind so stimmig und seine kunstvoll rhythmisierte Sprache ist so stark, dass der originale Hauptmann im Vergleich fast museal wirkt.
Süddeutsche Zeitung
Martin Krumbholz, 14.05.2018
Im Bann der im ausgehenden 19. Jahrhundert grassierenden Vererbungstheorien hat der Naturalist Hauptmann ein Drama geschrieben, wie es düsterer und pessimistischer nicht sein könnte. Spielte man das Stück heute so, wie es auf dem Blatt steht, wäre seine Wirkung immer noch erschütternd, denn es richtet einen eher warmherzigen Blick auf menschliche Ruinen; aber konkrete Bezüge zu heutigen Verhältnissen herzustellen, fiele schwer. Der Österreicher Ewald Palmetshofer, der ein Schauspiel "nach Gerhart Hauptmann" vorlegt, hilft dem heutigen Zuschauer beherzt auf die Sprünge. Er greift dazu aktuelle Debatten auf, namentlich den Konflikt zwischen einem rechts tickenden Neoliberalismus und einem linken Milieu, das alten Idealen treu geblieben ist. Palmetshofer dreht an wenigen entscheidenden Schrauben, um Hauptmanns Personenkonstellation und den Konfliktstoff gleichzeitig zu übernehmen und zu modernisieren. [...]

Nur am Rande und nicht schwerpunktmäßig kapriziert Palmetshofer sich auf Sprachscherze, wie sie seine früheren Texte prägen. In den nächtlichen Debatten zwischen Loth und Hoffmann geht es unzweideutig ans Eingemachte. Loth ironisiert den Aufstieg seines Freundes gegen die "Widerstände", die angeblich "das System" gegen ihn aufgebaut habe. Der von den 68ern kritisch aufgeladene System-Begriff ist zur Rechten abgewandert.
In Passagen wie diesen ist das Stück heutig und brisant. Palmetshofer räumt das Alkohol-Thema fast gänzlich beiseite; Hoffmanns schwangere Frau Martha (Franziska Machens) ist nicht alkoholsüchtig, sondern depressiv. Der Autor hat nicht einmal den Titel geändert, jedoch einige Figuren entschieden aufgewertet. [...]

Palmetshofers Text, mit dem auch das diesjährige Mühlheimer "Stücke"-Festival in einer Baseler Inszenierung eröffnet wurde, kann als Muster einer geglückten Klassiker-Übermalung gelten. [...]

Die gewissermaßen küchenrealistische Verortung der Szenen macht die Regie von Jette Steckel behutsam rückgängig; ein einsames Möbelhaus-Paket (es enthält vielleicht ein Kinderbett) dient als Ess- und Konferenztisch auf einer knirschend rotierenden Drehbühne (entworfen von Florian Lösche). Das Beste sind aber die großartigen Schauspieler des Deutschen Theaters, die ein Gespür dafür entwickeln, wie relevant die hier verhandelten menschlich-politischen Konflikte sich anfühlen.
Im Bann der im ausgehenden 19. Jahrhundert grassierenden Vererbungstheorien hat der Naturalist Hauptmann ein Drama geschrieben, wie es düsterer und pessimistischer nicht sein könnte. Spielte man das Stück heute so, wie es auf dem Blatt steht, wäre seine Wirkung immer noch erschütternd, denn es richtet einen eher warmherzigen Blick auf menschliche Ruinen; aber konkrete Bezüge zu heutigen Verhältnissen herzustellen, fiele schwer. Der Österreicher Ewald Palmetshofer, der ein Schauspiel "nach Gerhart Hauptmann" vorlegt, hilft dem heutigen Zuschauer beherzt auf die Sprünge. Er greift dazu aktuelle Debatten auf, namentlich den Konflikt zwischen einem rechts tickenden Neoliberalismus und einem linken Milieu, das alten Idealen treu geblieben ist. Palmetshofer dreht an wenigen entscheidenden Schrauben, um Hauptmanns Personenkonstellation und den Konfliktstoff gleichzeitig zu übernehmen und zu modernisieren. [...]

Nur am Rande und nicht schwerpunktmäßig kapriziert Palmetshofer sich auf Sprachscherze, wie sie seine früheren Texte prägen. In den nächtlichen Debatten zwischen Loth und Hoffmann geht es unzweideutig ans Eingemachte. Loth ironisiert den Aufstieg seines Freundes gegen die "Widerstände", die angeblich "das System" gegen ihn aufgebaut habe. Der von den 68ern kritisch aufgeladene System-Begriff ist zur Rechten abgewandert.
In Passagen wie diesen ist das Stück heutig und brisant. Palmetshofer räumt das Alkohol-Thema fast gänzlich beiseite; Hoffmanns schwangere Frau Martha (Franziska Machens) ist nicht alkoholsüchtig, sondern depressiv. Der Autor hat nicht einmal den Titel geändert, jedoch einige Figuren entschieden aufgewertet. [...]

Palmetshofers Text, mit dem auch das diesjährige Mühlheimer "Stücke"-Festival in einer Baseler Inszenierung eröffnet wurde, kann als Muster einer geglückten Klassiker-Übermalung gelten. [...]

Die gewissermaßen küchenrealistische Verortung der Szenen macht die Regie von Jette Steckel behutsam rückgängig; ein einsames Möbelhaus-Paket (es enthält vielleicht ein Kinderbett) dient als Ess- und Konferenztisch auf einer knirschend rotierenden Drehbühne (entworfen von Florian Lösche). Das Beste sind aber die großartigen Schauspieler des Deutschen Theaters, die ein Gespür dafür entwickeln, wie relevant die hier verhandelten menschlich-politischen Konflikte sich anfühlen.
Peter E. Rytz Review
Peter E. Rytz, 15.05.2018
Steckels Inszenierung übersetzt Palmetshofers sprachrythmische Anweiseungen in eine von Anika Steinhoff dramaturgisch mit inspiriertem Spielwitz unterstützte eindrucksvolle, spielintelligente Aufführung mit einem suggestiven Flow. [...]

Auf der von Florian Lösche gebauten Drehscheibe, mittig in einem unmöblierten, schwarzen Bühnenraum plaziert, von Kristina Jedelsky mit einem ausgeklügelten Lichtkonzept ausgeleuchtet, gelingt Steckel mit einer situativ überzeugenden Personenführung ein großes Theaterabenteuer. Text und Sprache verbinden sich zu einer Spielform, die die verdunkelte Selbstwahrnehmung und -reflexion der Figuren Vor Sonnenaufgang frei legt.
Steckels Inszenierung übersetzt Palmetshofers sprachrythmische Anweiseungen in eine von Anika Steinhoff dramaturgisch mit inspiriertem Spielwitz unterstützte eindrucksvolle, spielintelligente Aufführung mit einem suggestiven Flow. [...]

Auf der von Florian Lösche gebauten Drehscheibe, mittig in einem unmöblierten, schwarzen Bühnenraum plaziert, von Kristina Jedelsky mit einem ausgeklügelten Lichtkonzept ausgeleuchtet, gelingt Steckel mit einer situativ überzeugenden Personenführung ein großes Theaterabenteuer. Text und Sprache verbinden sich zu einer Spielform, die die verdunkelte Selbstwahrnehmung und -reflexion der Figuren Vor Sonnenaufgang frei legt.
theater:pur
Dietmar Zimmermann, 22.05.2018
In der Inszenierung des Deutschen Theaters kann von Hoffnung (...) von Anfang an nicht die Rede sein. Sowohl Martha als auch ihr Gatte Thomas (Felix Goeser) lehnen die Schwangerschaft ab. Keine Gelegenheit lässt die herbe, wenig sympathische Martha (schauspielerisch überzeugend: Franziska Machens) aus, um mit Härte, Zynismus und Selbstekel deutlich zu machen, wie unwillkommen ihr Kind ist. [...]

ein düsteres, zutiefst trauriges Drama über die neue Volkskrankheit Depression. Eine Depression, in der die Freude auf das Kind von der Angst vor der Vererbbarkeit der Krankheit überlagert wird.Diese Depression äußert sich gleich zu Beginn in Sprachlosigkeit. Obwohl genügend Worte fallen: zunächst aus dem Off, dann weiß man nicht, ob die Schauspieler im Playback sprechen oder ob ihre Worte durch das Sound-Design verfremdet werden. Der Beginn wirkt wie ein luzider Alptraum, einsam, depressiv, zukunftspessimistisch. Die Drehbühne dreht sich: Die Figuren sind nicht vollständig selbstbestimmt, sondern teilweise fremden Kräften ausgeliefert. [...]

Familienpatriarch Egon (Michael Goldberg) ertränkt die Schwermut beim „Saufen mit der Unterschicht“ und treibt die mühsam ihren Pragmatismus behauptende Gattin Annemarie (Regine Zimmermann) in die Verzweiflung. Helene, die Maike Knirsch mit einer perfekten Balance zwischen Unbeholfenheit und Fremdheit einerseits und Sehnsucht nach Harmonie und Zärtlichkeit andererseits zu einem heimlichen Zentrum der Aufführung macht, hat einen unauffälligen Auftritt, der die ganze Trostlosigkeit der Familie Krause aufdeckt: Stumm quert sie die konfliktbeladene Szenerie von links nach rechts, und ihre ganze Unbehaustheit wird deutlich. Alfred, der als einziger noch an das Gute im Menschen glaubt, wird zur Projektionsfläche für ihre Liebessehnsucht. [...]

Die Drehbühne wird zur Metapher, Licht- und Sounddesign (die Krähen schreien, die Uhren ticken, kurze musikalische Einspielungen dräuen) geben der Inszenierung ab und zu etwas Künstliches. Das Mehr an Kunstform tut dem Stück gut. Es schärft die Sinne des Zuschauers für die emotionalen Konflikte der Figuren. [...]

Steckels Inszenierung (...) ist aus einem Guss: Zu Beginn ziehen Wolken auf, am Ende herrscht tiefe Düsternis. Palmetshofers Hauptmann-Überschreibung, so scheint es uns nach dem Besuch der Aufführung, ist ein großartiger, sensibler Text geworden.
In der Inszenierung des Deutschen Theaters kann von Hoffnung (...) von Anfang an nicht die Rede sein. Sowohl Martha als auch ihr Gatte Thomas (Felix Goeser) lehnen die Schwangerschaft ab. Keine Gelegenheit lässt die herbe, wenig sympathische Martha (schauspielerisch überzeugend: Franziska Machens) aus, um mit Härte, Zynismus und Selbstekel deutlich zu machen, wie unwillkommen ihr Kind ist. [...]

ein düsteres, zutiefst trauriges Drama über die neue Volkskrankheit Depression. Eine Depression, in der die Freude auf das Kind von der Angst vor der Vererbbarkeit der Krankheit überlagert wird.Diese Depression äußert sich gleich zu Beginn in Sprachlosigkeit. Obwohl genügend Worte fallen: zunächst aus dem Off, dann weiß man nicht, ob die Schauspieler im Playback sprechen oder ob ihre Worte durch das Sound-Design verfremdet werden. Der Beginn wirkt wie ein luzider Alptraum, einsam, depressiv, zukunftspessimistisch. Die Drehbühne dreht sich: Die Figuren sind nicht vollständig selbstbestimmt, sondern teilweise fremden Kräften ausgeliefert. [...]

Familienpatriarch Egon (Michael Goldberg) ertränkt die Schwermut beim „Saufen mit der Unterschicht“ und treibt die mühsam ihren Pragmatismus behauptende Gattin Annemarie (Regine Zimmermann) in die Verzweiflung. Helene, die Maike Knirsch mit einer perfekten Balance zwischen Unbeholfenheit und Fremdheit einerseits und Sehnsucht nach Harmonie und Zärtlichkeit andererseits zu einem heimlichen Zentrum der Aufführung macht, hat einen unauffälligen Auftritt, der die ganze Trostlosigkeit der Familie Krause aufdeckt: Stumm quert sie die konfliktbeladene Szenerie von links nach rechts, und ihre ganze Unbehaustheit wird deutlich. Alfred, der als einziger noch an das Gute im Menschen glaubt, wird zur Projektionsfläche für ihre Liebessehnsucht. [...]

Die Drehbühne wird zur Metapher, Licht- und Sounddesign (die Krähen schreien, die Uhren ticken, kurze musikalische Einspielungen dräuen) geben der Inszenierung ab und zu etwas Künstliches. Das Mehr an Kunstform tut dem Stück gut. Es schärft die Sinne des Zuschauers für die emotionalen Konflikte der Figuren. [...]

Steckels Inszenierung (...) ist aus einem Guss: Zu Beginn ziehen Wolken auf, am Ende herrscht tiefe Düsternis. Palmetshofers Hauptmann-Überschreibung, so scheint es uns nach dem Besuch der Aufführung, ist ein großartiger, sensibler Text geworden.

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Deutsches Theater
19.00 - 20.20
Karten nur über Tanz im August: www.tanzimaugust.de/service/tickets/
Tanz im August

Paul Lazar: Cage Shuffle

Deutsches Theater
21.00 - 21.40
Karten nur über Tanz im August: www.tanzimaugust.de/service/tickets/