Warten auf Godot

von Samuel Beckett
Bühne und Kostüme Mark Lammert
Sounddesign Martin Person
Dramaturgie Claus Caesar
Berlin-Premiere 28. September 2014
Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen
Wolfram KochEstragon
Samuel FinziWladimir
Andreas DöhlerLucky
Christian GrashofPozzo
Berliner Zeitung
Harald Jähner, 30.09.2014
Das Stück ist ja nicht zuletzt ein Stück über das Theater, weil die Wartenden, während sie warten, einander vorspielen, sie hätten sich was zu sagen. Das klappt immer wieder mal überraschend gut, auch ohne Worte, wenn ein pantomimisches Spiel mit Fingerschnipsen in die brillante Darstellung von Tischtennis, Tennis, Golf, Polo und Schach übergeht. Dass wir all das nur spielen, um das grausige Nichts zu überbrücken, wurde selten so heiter und ausgelassen, so ganz und gar mit vollem Recht belacht.

Wenn Pozzo und Lucky als Herr und Knecht auf die Bühne kommen – bis in die Spitzen fingerfertig Christian Grashof, glaubwürdig geschurigelt Andreas Döhler – und Lucky in einer irrlichternden Wissenschaftstravestie auf Geheiß ("Denk, du Sau!") zu denken beginnt, dann wirken die Lacher im Publikum schon prekärer, bevor sie dann vollends verstummen, wenn mit der Rede von Millionen von Toten der Holocaust als Hintergrund des Stücks benannt wird. (...)

Panteleevs clowneske Inszenierung ist überaus respektvoll, indem sie präzis jenen Beckett’schen Witz herausarbeitet, der sich dem Wissen verdankt, dass wir nichts Besseres haben als ihn, ausgenommen vielleicht die wenigen Umarmungen, die unsere Seelen dulden. In einer solchen versuchen Finzi und Koch Jacke gegen Mantel zu tauschen. Die einzigen Requisiten, die von den älteren Aufführungen geblieben sind, tragen die Figuren auf dem Leib, bis auf ein riesiges Stück rosa Stoff, das der arme Lucky faltet und faltet. Kein Koffer mehr, kein Strick um Luckys Hals. Als Baum muss ein Scheinwerfermast herhalten. „Was ist mit der Weide?“, fragt Estragon. "Wird abgestorben sein. Hat sich ausgetrauert." So ist es und ist es nicht.
Das Stück ist ja nicht zuletzt ein Stück über das Theater, weil die Wartenden, während sie warten, einander vorspielen, sie hätten sich was zu sagen. Das klappt immer wieder mal überraschend gut, auch ohne Worte, wenn ein pantomimisches Spiel mit Fingerschnipsen in die brillante Darstellung von Tischtennis, Tennis, Golf, Polo und Schach übergeht. Dass wir all das nur spielen, um das grausige Nichts zu überbrücken, wurde selten so heiter und ausgelassen, so ganz und gar mit vollem Recht belacht.

Wenn Pozzo und Lucky als Herr und Knecht auf die Bühne kommen – bis in die Spitzen fingerfertig Christian Grashof, glaubwürdig geschurigelt Andreas Döhler – und Lucky in einer irrlichternden Wissenschaftstravestie auf Geheiß ("Denk, du Sau!") zu denken beginnt, dann wirken die Lacher im Publikum schon prekärer, bevor sie dann vollends verstummen, wenn mit der Rede von Millionen von Toten der Holocaust als Hintergrund des Stücks benannt wird. (...)

Panteleevs clowneske Inszenierung ist überaus respektvoll, indem sie präzis jenen Beckett’schen Witz herausarbeitet, der sich dem Wissen verdankt, dass wir nichts Besseres haben als ihn, ausgenommen vielleicht die wenigen Umarmungen, die unsere Seelen dulden. In einer solchen versuchen Finzi und Koch Jacke gegen Mantel zu tauschen. Die einzigen Requisiten, die von den älteren Aufführungen geblieben sind, tragen die Figuren auf dem Leib, bis auf ein riesiges Stück rosa Stoff, das der arme Lucky faltet und faltet. Kein Koffer mehr, kein Strick um Luckys Hals. Als Baum muss ein Scheinwerfermast herhalten. „Was ist mit der Weide?“, fragt Estragon. "Wird abgestorben sein. Hat sich ausgetrauert." So ist es und ist es nicht.
Berliner Morgenpost
Stefan Kirschner, 30.09.2014
Finzi und Koch loten die Komik des Stücks in allen Nuancen aus. Die beiden spielen ein pantomimisches Tennis-Match, das in ein Sportarten-Kaleidoskop übergeht. Sie tauschen akrobatisch Sakko und Mantel. Reden, schwärmen, streiten. Irgendwie muss das Warten ja ausgefüllt werden. Denn fürs Aufhängen fehlt der Strick und für den Sprung vom Eiffelturm sind sie jetzt zu alt, "da lässt uns heute keiner mehr hoch".

Regisseur Ivan Panteleev lässt in seine klug reduzierte Inszenierung viele Zitate aus dem Beckett-Kosmos einfließen, er ist mit seiner zurückhaltenden Interpretation nah bei Beckett, der "Godot" mal im Schiller-Theater inszenierte, vom Tiefsinn befreite und das Spiel in den Mittelpunkt rückte. Bühnen- und Kostümbildner Mark Lammert hat eine quadratische, schiefe Ebene auf die Bühne gesetzt, im Zentrum steht der Trichter, aus dem die Schauspieler auftauchen – und manchmal auch zu verschwinden drohen. Godot kommt auch diesmal nicht, aber das Warten war selten so kurzweilig wie bei dieser verspäteten, fulminanten Saisoneröffnung des Deutschen Theaters.
Finzi und Koch loten die Komik des Stücks in allen Nuancen aus. Die beiden spielen ein pantomimisches Tennis-Match, das in ein Sportarten-Kaleidoskop übergeht. Sie tauschen akrobatisch Sakko und Mantel. Reden, schwärmen, streiten. Irgendwie muss das Warten ja ausgefüllt werden. Denn fürs Aufhängen fehlt der Strick und für den Sprung vom Eiffelturm sind sie jetzt zu alt, "da lässt uns heute keiner mehr hoch".

Regisseur Ivan Panteleev lässt in seine klug reduzierte Inszenierung viele Zitate aus dem Beckett-Kosmos einfließen, er ist mit seiner zurückhaltenden Interpretation nah bei Beckett, der "Godot" mal im Schiller-Theater inszenierte, vom Tiefsinn befreite und das Spiel in den Mittelpunkt rückte. Bühnen- und Kostümbildner Mark Lammert hat eine quadratische, schiefe Ebene auf die Bühne gesetzt, im Zentrum steht der Trichter, aus dem die Schauspieler auftauchen – und manchmal auch zu verschwinden drohen. Godot kommt auch diesmal nicht, aber das Warten war selten so kurzweilig wie bei dieser verspäteten, fulminanten Saisoneröffnung des Deutschen Theaters.
Kulturradio vom RBB
Peter Hans Göpfert, 29.09.2014
Die besondere Attraktion der Inszenierung liegt zunächst im erneuten Zusammenspiel von Wolfram Koch und Samuel Finzi - dem Lieblingsgespann des verstorbenen Dimiter Gotscheff, dem Panteleev diese Inszenierung gewidmet hat. Finzi ist zweieinhalb Stunden komödiantisch in Fahrt. Es ist allein schon sehenswert, wie er beiseite spricht, weil man Didi Mundgeruch unterstellt hat. Koch gibt den Estragon beinahe akrobatisch, etwas missmutiger, mit Anflügen Alzheimerscher Vergesslichkeit, jedes Mal ungehalten, wenn ihm gesagt wird, warum man bleiben und weiter warten muss. Prima, wie die beiden sich mit einem schnellen Luft-Match diverse Sportarten zuschnippen. Christian Grashof legt auch ohne die Peitsche knallend den schlimmen Ausbeuter Pozzo hin. Und seine Varieté-Frage "Wie fanden Sie mich?" trifft das Prinzip der Inszenierung. Sie funktioniert mit zahllosen amüsanten Nummern. Andreas Döhler schleudert als Lucky mit geradezu erschütternder herzzerreißender Intensität seinen verrückten Weltdeutungs-Irrsinns-Monolog heraus. Die besondere Attraktion der Inszenierung liegt zunächst im erneuten Zusammenspiel von Wolfram Koch und Samuel Finzi - dem Lieblingsgespann des verstorbenen Dimiter Gotscheff, dem Panteleev diese Inszenierung gewidmet hat. Finzi ist zweieinhalb Stunden komödiantisch in Fahrt. Es ist allein schon sehenswert, wie er beiseite spricht, weil man Didi Mundgeruch unterstellt hat. Koch gibt den Estragon beinahe akrobatisch, etwas missmutiger, mit Anflügen Alzheimerscher Vergesslichkeit, jedes Mal ungehalten, wenn ihm gesagt wird, warum man bleiben und weiter warten muss. Prima, wie die beiden sich mit einem schnellen Luft-Match diverse Sportarten zuschnippen. Christian Grashof legt auch ohne die Peitsche knallend den schlimmen Ausbeuter Pozzo hin. Und seine Varieté-Frage "Wie fanden Sie mich?" trifft das Prinzip der Inszenierung. Sie funktioniert mit zahllosen amüsanten Nummern. Andreas Döhler schleudert als Lucky mit geradezu erschütternder herzzerreißender Intensität seinen verrückten Weltdeutungs-Irrsinns-Monolog heraus.
Der Tagesspiegel
Rüdiger Schaper, 30.09.2014
Mark Lammert, der Bühnenbildner dieser Koproduktion des Deutschen Theaters Berlin mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, findet für Becketts Unort eine klare, poetische Lösung. Das Spiel läuft auf einer extremen Holzschräge, mit einem Krater in der Mitte. Es geht abwärts immer nur. Oder gleich ins Höllenloch. Und hinten links – Becketts berühmter Baum! – steht eine Metallstange mit einem Scheinwerfer. Bühnentechnik statt Restnatur. Mark Lammert, der Bühnenbildner dieser Koproduktion des Deutschen Theaters Berlin mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen, findet für Becketts Unort eine klare, poetische Lösung. Das Spiel läuft auf einer extremen Holzschräge, mit einem Krater in der Mitte. Es geht abwärts immer nur. Oder gleich ins Höllenloch. Und hinten links – Becketts berühmter Baum! – steht eine Metallstange mit einem Scheinwerfer. Bühnentechnik statt Restnatur.

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von Anna Seghers
Regie: Alexander Riemenschneider
Box
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Evtl. Restkarten an der Abendkasse
mit englischen Übertiteln
von Arthur Miller
Regie: Bastian Kraft
Deutsches Theater
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Kammerspiele
20.00 - 21.45