Kostüme Aino Laberenz
Musik Bernhardt.
Licht Marco Scherle
Ton Björn Mauder
Dramaturgie Juliane Koepp
Premiere am 26. Februar 2017, Kammerspiele
Andreas Döhler
Sebastian Grünewald
Linn Reusse
Anja Schneider
Sabine Waibel
Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 28.02.2017
Der Zuschauer bekommt Hochleistungssport und Virtuosität geboten – mit elefantischer Ausdauer, unverhohlener Denklust und Spielwut beißen sich die fünf Bühnenterrier an den Widersprüchen fest. Es braucht nur sehr wenige Worte, und schon steht man sich unversöhnlich gegenüber. [...]

[...] Laberenz [lässt] den Abend und den Text nie zerfallen. Er und seine großartigen Spieler wollen es wissen. [...]
Der Zuschauer bekommt Hochleistungssport und Virtuosität geboten – mit elefantischer Ausdauer, unverhohlener Denklust und Spielwut beißen sich die fünf Bühnenterrier an den Widersprüchen fest. Es braucht nur sehr wenige Worte, und schon steht man sich unversöhnlich gegenüber. [...]

[...] Laberenz [lässt] den Abend und den Text nie zerfallen. Er und seine großartigen Spieler wollen es wissen. [...]
Inforadio rbb
Ute Büsing, 27.02.2017
In zweieinhalb pausenlosen und doch kurzweiligen Stunden gibt das dynamische Ensemble Wut, Hass, Terror – und der Hilflosigkeit im Umgang damit – so viele Gesichter, wie sie die Textfläche von Elfriede Jelinek durchziehen. [...]

Regisseur Martin Laberenz mischt Jelineks Wutkosmos gehörig auf. Er zelebriert keine intellektuelle Versuchsanordnung, sondern lässt tatsächlich durchspielen, was die österreichische Literaturnobelpreisträgerin reflektiert. So macht er das Textgebirge erlebbar. Gleichzeitig treten die Darsteller immer wieder aus ihren Rollen heraus und hinterfragen den Übereifer, mit dem sie Gott und Glauben auf den Grund gehen, die vaterlose Gesellschaft ohne Haus und Hüter anprangern. Die schablonenhafte Aufteilung in Männersaat und Frauensaat wird hinterfragt wie die Positionierung der heutigen Attentäter als Stellvertreter mythologischer Machthalter. Durch die von zwei Pults aus live eingespielte elektronische Musik nimmt die Auseinandersetzung zusätzlich Fahrt auf.

Gegen das kollektiv vereinnahmende ''Wir'' tritt immer wieder der Einzelne heraus. Als bemerkenswerte berlinernde Rampensau erweist sich dabei Andreas Döhler. Ihm ist der Text regelrecht in die Glieder gefahren und er macht daraus großes Entertainment. Dem rechten Spuk der Wutbürger und den Terrorattacken wird so eine wohltuend komische Note abgerungen. Auch die anderen vier Ensemblemitglieder werfen sich mächtig ins Zeug beim Abschreiten dieser Via Dolorosa, die in einer Kreuzigungsszene auf einem ausgebombten Auto gipfelt. Das SOS des Schlusschors verspricht hier aber doch auch ein bisschen Hoffnung. Eine sehenswerte Lesart des viel gespielten Epos.  
In zweieinhalb pausenlosen und doch kurzweiligen Stunden gibt das dynamische Ensemble Wut, Hass, Terror – und der Hilflosigkeit im Umgang damit – so viele Gesichter, wie sie die Textfläche von Elfriede Jelinek durchziehen. [...]

Regisseur Martin Laberenz mischt Jelineks Wutkosmos gehörig auf. Er zelebriert keine intellektuelle Versuchsanordnung, sondern lässt tatsächlich durchspielen, was die österreichische Literaturnobelpreisträgerin reflektiert. So macht er das Textgebirge erlebbar. Gleichzeitig treten die Darsteller immer wieder aus ihren Rollen heraus und hinterfragen den Übereifer, mit dem sie Gott und Glauben auf den Grund gehen, die vaterlose Gesellschaft ohne Haus und Hüter anprangern. Die schablonenhafte Aufteilung in Männersaat und Frauensaat wird hinterfragt wie die Positionierung der heutigen Attentäter als Stellvertreter mythologischer Machthalter. Durch die von zwei Pults aus live eingespielte elektronische Musik nimmt die Auseinandersetzung zusätzlich Fahrt auf.

Gegen das kollektiv vereinnahmende ''Wir'' tritt immer wieder der Einzelne heraus. Als bemerkenswerte berlinernde Rampensau erweist sich dabei Andreas Döhler. Ihm ist der Text regelrecht in die Glieder gefahren und er macht daraus großes Entertainment. Dem rechten Spuk der Wutbürger und den Terrorattacken wird so eine wohltuend komische Note abgerungen. Auch die anderen vier Ensemblemitglieder werfen sich mächtig ins Zeug beim Abschreiten dieser Via Dolorosa, die in einer Kreuzigungsszene auf einem ausgebombten Auto gipfelt. Das SOS des Schlusschors verspricht hier aber doch auch ein bisschen Hoffnung. Eine sehenswerte Lesart des viel gespielten Epos.  
Tagesspiegel
Christine Wahl, 28.02.2017
Schauspielerisch ein hochklassiger Abend [...], in dem sich die Akteure aus ihrer anfänglich gediegenen Cocktail-Wut-Gesellschaft heraus immer tiefer in religiöse Bilder und Bildverbote, in Zornassoziationen oder falsch verstandenes Mutbürgertum hineinsteigern und nebenbei als unterschwellig aggressionsgefährdetes Schauspielensemble selbst mitreflektieren. Anja Schneider gibt die halbherzig Harmoniebestrebte, die abendfüllende Latenzwut des grandiosen Andreas Döhler entlädt sich wechselweise in Kollegenbeschimpfungen oder punktgenau beobachteten Pegida-Ausbrüchen, oder Sabine Waibel brüllt mit Jelinek-Frisur die Wut einer verlassenen Frau über die Rampe. Schauspielerisch ein hochklassiger Abend [...], in dem sich die Akteure aus ihrer anfänglich gediegenen Cocktail-Wut-Gesellschaft heraus immer tiefer in religiöse Bilder und Bildverbote, in Zornassoziationen oder falsch verstandenes Mutbürgertum hineinsteigern und nebenbei als unterschwellig aggressionsgefährdetes Schauspielensemble selbst mitreflektieren. Anja Schneider gibt die halbherzig Harmoniebestrebte, die abendfüllende Latenzwut des grandiosen Andreas Döhler entlädt sich wechselweise in Kollegenbeschimpfungen oder punktgenau beobachteten Pegida-Ausbrüchen, oder Sabine Waibel brüllt mit Jelinek-Frisur die Wut einer verlassenen Frau über die Rampe.
Süddeutsche Zeitung
Mounia Meiborg, 28.02.2017
Jelinek assoziiert sich in ihrer Suada frei durch die Weltgeschichte und macht Halt bei der griechischen Mythologie, der Bibel und der Gegenwart, in der Morden zum medialen Akt geworden ist. Es ist ein ungewöhnlich ernster Text, das Grundgefühl: Ohnmacht. [...] Martin Laberenz, der das Stück in den Kammerspielen des Deutschen Theaters inszeniert, holt da schon ziemlich viel raus. Vor allem mehr Witz, als man für möglich gehalten hätte. [...]

Die fünf Schauspieler nähern sich dem Thema Terror, wie es die meisten tun: aus der Distanz. In Abendgarderobe und bei einem Glas Champagner plaudern sie über Anschläge. Aber die Gläser sind aus Plastik und der Champagner nur Wasser, wie Andreas Döhler feststellt. Er fängt an zu schimpfen und zu toben – Wut braucht halt nicht immer einen Grund. Überhaupt, Andreas Döhler: ein Wahnsinns-Schauspieler. Egal ob er als sächselnder Pegida-Redner einen großen Auftritt hat, die Arme bewegt, als würde sich sein Körper gleich verflüssigen oder selbstversunken auf und ab tänzelt: immer ist da eine feine Ironie und ein jugendhafter Spaß. Auch die anderen sind gut: Anja Schneider mit unglaublich präziser Sprechweise, Sabine Waibel als betrogene Elfi, Linn Reusse als Attentäter und Sebastian Grünewald als Waffenfetischist. [...] Die Musiker – die bemerkenswerte Friederike Bernhardt an Keyboard und Synthesizer und ein Schlagzeuger am Percussion Pad – zeigen, was sie können und drehen ihren eigentümlichen Electro-Sound auf.
Jelinek assoziiert sich in ihrer Suada frei durch die Weltgeschichte und macht Halt bei der griechischen Mythologie, der Bibel und der Gegenwart, in der Morden zum medialen Akt geworden ist. Es ist ein ungewöhnlich ernster Text, das Grundgefühl: Ohnmacht. [...] Martin Laberenz, der das Stück in den Kammerspielen des Deutschen Theaters inszeniert, holt da schon ziemlich viel raus. Vor allem mehr Witz, als man für möglich gehalten hätte. [...]

Die fünf Schauspieler nähern sich dem Thema Terror, wie es die meisten tun: aus der Distanz. In Abendgarderobe und bei einem Glas Champagner plaudern sie über Anschläge. Aber die Gläser sind aus Plastik und der Champagner nur Wasser, wie Andreas Döhler feststellt. Er fängt an zu schimpfen und zu toben – Wut braucht halt nicht immer einen Grund. Überhaupt, Andreas Döhler: ein Wahnsinns-Schauspieler. Egal ob er als sächselnder Pegida-Redner einen großen Auftritt hat, die Arme bewegt, als würde sich sein Körper gleich verflüssigen oder selbstversunken auf und ab tänzelt: immer ist da eine feine Ironie und ein jugendhafter Spaß. Auch die anderen sind gut: Anja Schneider mit unglaublich präziser Sprechweise, Sabine Waibel als betrogene Elfi, Linn Reusse als Attentäter und Sebastian Grünewald als Waffenfetischist. [...] Die Musiker – die bemerkenswerte Friederike Bernhardt an Keyboard und Synthesizer und ein Schlagzeuger am Percussion Pad – zeigen, was sie können und drehen ihren eigentümlichen Electro-Sound auf.
Zitty
Regine Bruckmann, 01.03.2017
Elfriede Jelinek schrieb unter dem Eindruck der Attentate auf ''Charlie Hebdo'' in Paris 2015 diesen wilden Text. [...] Jelinek räsoniert und rätselt, asso­ziiert und schwadroniert, mal tiefgründig, mal albern. Eine Überforderung: Man tut gut daran zu akzeptieren, dass nur einzelne Sätze aus dem Wörterwald im Hirn des Zuschauers zur Anschauung kommen.

Martin Laberenz und sein hervorragendes Team helfen dabei. Sie befragen und erkunden den Text neugierig, halten dabei Sektgläser in der Hand. Vom aufgeregten Party-Geplauder geht es in die Identifika­tion. Syrische Gottes­krieger, deutsche Wutbürger, milde Marien bevölkern die Bühne. Und das ohne in Karikaturen zu münden. So gelingt es etwa der jungen und fabelhaften Linn Reusse in der Rolle des Dschihadisten zugleich überzeugend zu argumentieren und naiv-neutral zu bleiben. In diesem Schwebezustand scheint die Inszenierung manchmal klüger zu sein als der Text.
Elfriede Jelinek schrieb unter dem Eindruck der Attentate auf ''Charlie Hebdo'' in Paris 2015 diesen wilden Text. [...] Jelinek räsoniert und rätselt, asso­ziiert und schwadroniert, mal tiefgründig, mal albern. Eine Überforderung: Man tut gut daran zu akzeptieren, dass nur einzelne Sätze aus dem Wörterwald im Hirn des Zuschauers zur Anschauung kommen.

Martin Laberenz und sein hervorragendes Team helfen dabei. Sie befragen und erkunden den Text neugierig, halten dabei Sektgläser in der Hand. Vom aufgeregten Party-Geplauder geht es in die Identifika­tion. Syrische Gottes­krieger, deutsche Wutbürger, milde Marien bevölkern die Bühne. Und das ohne in Karikaturen zu münden. So gelingt es etwa der jungen und fabelhaften Linn Reusse in der Rolle des Dschihadisten zugleich überzeugend zu argumentieren und naiv-neutral zu bleiben. In diesem Schwebezustand scheint die Inszenierung manchmal klüger zu sein als der Text.
Märkische Oderzeitung
Inga Dreyer, 01.03.2017
Der Regisseur schafft einen intensiven Abend, getragen von fünf grandiosen Schauspielern, die alle ihre großen Momente haben. Andreas Döhler, Sebastian Grünewald, Linn Reusse, Anja Schneider und Sabine Waibel bekommen Szenenapplaus für Monologe, die nachwirken. Zusammengehalten wird alles durch perfekt abgestimmte elektronische Live-Musik.

Bei allen Entzücken über inszenatorischen und schauspielerischen Glanz bleibt die Frage, was Jelineks Text bewirkt. Es ist ein Blick in die eigene Befindlichkeit – mehr in eine verunsicherte und verständnisvolle Gesellschaft denn in eine wütende.
Der Regisseur schafft einen intensiven Abend, getragen von fünf grandiosen Schauspielern, die alle ihre großen Momente haben. Andreas Döhler, Sebastian Grünewald, Linn Reusse, Anja Schneider und Sabine Waibel bekommen Szenenapplaus für Monologe, die nachwirken. Zusammengehalten wird alles durch perfekt abgestimmte elektronische Live-Musik.

Bei allen Entzücken über inszenatorischen und schauspielerischen Glanz bleibt die Frage, was Jelineks Text bewirkt. Es ist ein Blick in die eigene Befindlichkeit – mehr in eine verunsicherte und verständnisvolle Gesellschaft denn in eine wütende.
Berliner Morgenpost
Elisa von Hof, 28.02.2017
Die Bühne von Volker Hintermeier ist so leer wie das Vakuum, das nach einem Wutanfall entsteht. Andreas Döhler, Sebastian Grünewald, Linn Reusse, Anja Schneider und Sabine Waibel haben also nicht viel, woran sie sich und ihre Monologe klammern können. Trotzdem reden und reden und reden sie, manchmal so schnell und so laut wie durch ein Megafon auf einem vorbeirasenden Lkw. [...] Vor allem An­dreas Döhler gelingt es, seine Figur zwischen Sympathie und Ekel mäandern zu lassen: Wie er so über die Bühne tänzelt und dabei kräftig hasst, vor allem Gott, um dieser Wut dann nagelkauend die Fratze abzureißen, das ist famos. Die Bühne von Volker Hintermeier ist so leer wie das Vakuum, das nach einem Wutanfall entsteht. Andreas Döhler, Sebastian Grünewald, Linn Reusse, Anja Schneider und Sabine Waibel haben also nicht viel, woran sie sich und ihre Monologe klammern können. Trotzdem reden und reden und reden sie, manchmal so schnell und so laut wie durch ein Megafon auf einem vorbeirasenden Lkw. [...] Vor allem An­dreas Döhler gelingt es, seine Figur zwischen Sympathie und Ekel mäandern zu lassen: Wie er so über die Bühne tänzelt und dabei kräftig hasst, vor allem Gott, um dieser Wut dann nagelkauend die Fratze abzureißen, das ist famos.

Außerdem im Spielplan

Heute2930Juli 12345678910111213141516171819202122232425262728293031
mit englischen Übertiteln
von Arthur Miller
Regie: Bastian Kraft
Deutsches Theater
19.30 - 21.05
mit englischen Übertiteln

WUT

Regie: Martin Laberenz
Kammerspiele
20.00 - 22.25