zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden

Bühne / Kostüme Sigi Colpe
Licht Heiko Thomas
Dramaturgie Juliane Koepp
Uraufführung
8. Juni 2019
Box
Maike KnirschDarija
Lorena HandschinKim
Katrin KleinSarah
Helmut MooshammerAhmed
Jörg PoseHolm
nachtkritik.de
Michael Laages, 08.06.2019
Das Highlight des Abends [ist] Svealena Kutschkes brillante Sozialstudie mit dem Titel "zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden". [...]

Bei Svealena Kutschke [...] passt alles. "zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden" ist weit weniger kryptisch als der Titel befürchten lässt. Die Autorin erzählt grob und klar Pankower Hinterhofgeschichten: von der jungen türkischen Pflegerin aus der Psychiatrie, die nicht mehr leiden mag und zurückschlägt, und von deren junger Geliebter, die ein scheiterndes Leben im Spätverkauf zubringt; vom stets betrunkenen Ex-Polizisten, den die traumatische Erinnerung an die Selbstverbrennung eines zur Abschiebung anstehenden Geflüchteten in immer neuen Suff, in Verzweiflung und Gewalt treibt; vom deutsch-arabischen Ehepaar schließlich, getrennt in beiden Hinterhof-Flügeln lebend, er Anwalt, sie depressiv und das Muster eines "Gutmenschen", der hilft und getäuscht wird. Im Zentrum steht ein junger Geflüchteter, durch den alle in die Eskalation geraten, ohne dass er je auftritt.

Dieses bürgerliche Pandämonium bringt András Dömötör uns extrem nahe – wir sitzen im Kreis um einen großen Teppich herum, die grandios aufregenden Schauspielerinnen und Schauspieler unter und neben uns.

Szenerien für Kutschkes Text werden nicht benötigt – wir tragen sie im Kopf mit uns herum. Säßen wir öfter so zusammen, jeder und jede im Gegenüber mit dem anderen, wir wären vielleicht weniger besessen von den Traumata im deutschen Hinterhof. Toller Text, grandiose Inszenierung – daran werden wir uns erinnern.
Das Highlight des Abends [ist] Svealena Kutschkes brillante Sozialstudie mit dem Titel "zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden". [...]

Bei Svealena Kutschke [...] passt alles. "zu unseren füßen, das gold, aus dem boden verschwunden" ist weit weniger kryptisch als der Titel befürchten lässt. Die Autorin erzählt grob und klar Pankower Hinterhofgeschichten: von der jungen türkischen Pflegerin aus der Psychiatrie, die nicht mehr leiden mag und zurückschlägt, und von deren junger Geliebter, die ein scheiterndes Leben im Spätverkauf zubringt; vom stets betrunkenen Ex-Polizisten, den die traumatische Erinnerung an die Selbstverbrennung eines zur Abschiebung anstehenden Geflüchteten in immer neuen Suff, in Verzweiflung und Gewalt treibt; vom deutsch-arabischen Ehepaar schließlich, getrennt in beiden Hinterhof-Flügeln lebend, er Anwalt, sie depressiv und das Muster eines "Gutmenschen", der hilft und getäuscht wird. Im Zentrum steht ein junger Geflüchteter, durch den alle in die Eskalation geraten, ohne dass er je auftritt.

Dieses bürgerliche Pandämonium bringt András Dömötör uns extrem nahe – wir sitzen im Kreis um einen großen Teppich herum, die grandios aufregenden Schauspielerinnen und Schauspieler unter und neben uns.

Szenerien für Kutschkes Text werden nicht benötigt – wir tragen sie im Kopf mit uns herum. Säßen wir öfter so zusammen, jeder und jede im Gegenüber mit dem anderen, wir wären vielleicht weniger besessen von den Traumata im deutschen Hinterhof. Toller Text, grandiose Inszenierung – daran werden wir uns erinnern.
Die deutsche Bühne
Barbara Behrendt, 09.06.2019
András Dömötör setzt in der Box des Deutschen Theaters geschickt auf Intimität und starke Schauspieler wie Maike Knirsch und Helmut Mooshammer. Nur 30 Zuschauer sitzen im Stuhlkreis auf der Bühne; wie in einer Gruppentherapie formuliert jeder Spieler seine Gedanken. Jörg Pose als geschmerzter Trinker mit traurigem Humor hört man hier besonders gerne zu. Dömötör [...] gelingt damit eine alltagsnahe und zugleich poetische Erzählung. András Dömötör setzt in der Box des Deutschen Theaters geschickt auf Intimität und starke Schauspieler wie Maike Knirsch und Helmut Mooshammer. Nur 30 Zuschauer sitzen im Stuhlkreis auf der Bühne; wie in einer Gruppentherapie formuliert jeder Spieler seine Gedanken. Jörg Pose als geschmerzter Trinker mit traurigem Humor hört man hier besonders gerne zu. Dömötör [...] gelingt damit eine alltagsnahe und zugleich poetische Erzählung.
rbb24
Fabian Wallmeier, 09.06.2019
Regisseur András Dömötör lässt dem Text in der intimen Box des Deutschen Theaters viel Raum - ganz wie es sich für eine Uraufführung gehört. Er bringt die Worte zum Schwingen. Dabei setzt er auf einfache, aber effektive Mittel - und auf ein spielstarkes Ensemble.

Die Geschichte [...] spielt in einem Mietshaus in Pankow, nah an der ehemaligen Mauer. Fünf Menschen berichten in Monologen, was sie bewegt und was sie beobachten. Diese Beobachterposition spiegelt sich in der Bühnensituation wieder: Die Zuschauenden beobachten neben dem Spielgeschehen auch die anderen Zuschauenden beim Beobachten. [...]

Jörg Pose spielt diesen Holm mit flirrender Nervosität. Er nestelt an seinem Hemd herum, tapert im Kreis um die Lampe herum, spricht erst stockend, dann immer schneller und rastet irgendwann aus. Auch DT-Neuzugang Lorena Handschin und Maike Knirsch als ungleiches Paar Kim und Darija loten behutsam Tiefen und Untiefen ihrer Rollen aus. Helmut Mooshammer gibt süffisant den giftig-überheblichen Ahmed. [...]
Regisseur András Dömötör lässt dem Text in der intimen Box des Deutschen Theaters viel Raum - ganz wie es sich für eine Uraufführung gehört. Er bringt die Worte zum Schwingen. Dabei setzt er auf einfache, aber effektive Mittel - und auf ein spielstarkes Ensemble.

Die Geschichte [...] spielt in einem Mietshaus in Pankow, nah an der ehemaligen Mauer. Fünf Menschen berichten in Monologen, was sie bewegt und was sie beobachten. Diese Beobachterposition spiegelt sich in der Bühnensituation wieder: Die Zuschauenden beobachten neben dem Spielgeschehen auch die anderen Zuschauenden beim Beobachten. [...]

Jörg Pose spielt diesen Holm mit flirrender Nervosität. Er nestelt an seinem Hemd herum, tapert im Kreis um die Lampe herum, spricht erst stockend, dann immer schneller und rastet irgendwann aus. Auch DT-Neuzugang Lorena Handschin und Maike Knirsch als ungleiches Paar Kim und Darija loten behutsam Tiefen und Untiefen ihrer Rollen aus. Helmut Mooshammer gibt süffisant den giftig-überheblichen Ahmed. [...]
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 10.06.2019
András Dömötör [...] lässt den ohnehin guten Text von Svealena Kutschke mit einer klaren, zurückgenommenen Regie noch ein bisschen heller leuchten. Nichts lenkt ab von der Sprache, von den gut gearbeiteten Figuren, die mitten unter uns in der kleinen DT-Box rund um den rot gemusterten Teppich im Stuhlkreis sitzen. Wir werden Teil dieser Pankower Hausgemeinschaft, sitzen neben Holm, der zu viel säuft, gegenüber von Ahmed und seiner Ex-Frau Sarah, lassen uns erzählen, wie sich das lesbische Paar Darija und Kim kennengelernt hat. Nur den Geflüchteten Nabil, der auch im Haus lebt, lernen wir nicht persönlich kennen. Er ist die Projektionsfläche für die Verantwortung, die alle mit ihren Lebensgeschichten herumtragen und für ihre Unfähigkeit, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ihnen fremd scheint.

Text und Regie greifen hier wunderschön ineinander und verbinden sich zu einer grandios geglückten Inszenierung.
András Dömötör [...] lässt den ohnehin guten Text von Svealena Kutschke mit einer klaren, zurückgenommenen Regie noch ein bisschen heller leuchten. Nichts lenkt ab von der Sprache, von den gut gearbeiteten Figuren, die mitten unter uns in der kleinen DT-Box rund um den rot gemusterten Teppich im Stuhlkreis sitzen. Wir werden Teil dieser Pankower Hausgemeinschaft, sitzen neben Holm, der zu viel säuft, gegenüber von Ahmed und seiner Ex-Frau Sarah, lassen uns erzählen, wie sich das lesbische Paar Darija und Kim kennengelernt hat. Nur den Geflüchteten Nabil, der auch im Haus lebt, lernen wir nicht persönlich kennen. Er ist die Projektionsfläche für die Verantwortung, die alle mit ihren Lebensgeschichten herumtragen und für ihre Unfähigkeit, sich mit dem auseinanderzusetzen, was ihnen fremd scheint.

Text und Regie greifen hier wunderschön ineinander und verbinden sich zu einer grandios geglückten Inszenierung.
Süddeutsche Zeitung
Anna Fastabend, 10.06.2019
Im Stück bildet Kutschke den heutigen Rechtsruck wie unter einem Brennglas ab. Der Schauplatz ihrer Geschichte ist ein Mietshaus im Norden Berlins [...]. Der künstlerische Kniff des Stückes: Kutschke lässt alle Beteiligten zu Wort kommen, außer [einen] Geflüchteten, der damit zur Projektionsfläche für die Vorurteile der anderen wird.

Statt die Geschichte in einer realitätsnahen Kulisse spielen zu lassen, hat Regisseur András Dömötör die Box des DT von der Bühnenbildnerin Sigi Colpe zu einer Art Therapieraum umgestalten lassen. Die fünf Schauspieler sitzen entweder im Stuhlkreis zwischen den Zuschauern oder umkreisen die in der Mitte hängende Lampe wie Falter das Licht. 

Dabei ist Kutschkes Sprache an manchen Stellen so brutal wie ein Schlag in die Magenkuhle, an anderen zart wie ein Sommerregen. Viele ihrer poetischen Formulierungen würde man sich sofort an die Wand pinnen.
Im Stück bildet Kutschke den heutigen Rechtsruck wie unter einem Brennglas ab. Der Schauplatz ihrer Geschichte ist ein Mietshaus im Norden Berlins [...]. Der künstlerische Kniff des Stückes: Kutschke lässt alle Beteiligten zu Wort kommen, außer [einen] Geflüchteten, der damit zur Projektionsfläche für die Vorurteile der anderen wird.

Statt die Geschichte in einer realitätsnahen Kulisse spielen zu lassen, hat Regisseur András Dömötör die Box des DT von der Bühnenbildnerin Sigi Colpe zu einer Art Therapieraum umgestalten lassen. Die fünf Schauspieler sitzen entweder im Stuhlkreis zwischen den Zuschauern oder umkreisen die in der Mitte hängende Lampe wie Falter das Licht. 

Dabei ist Kutschkes Sprache an manchen Stellen so brutal wie ein Schlag in die Magenkuhle, an anderen zart wie ein Sommerregen. Viele ihrer poetischen Formulierungen würde man sich sofort an die Wand pinnen.

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Mit englischen Übertiteln
von Michael Frayn
Deutsches Theater
19.30 - 22.55
Themenschwerpunkt 30 NACH 89
Vorstellung fällt leider aus
nach dem Roman von Judith Schalansky
Regie: Philipp Arnold
Aufgrund einer Erkrankung im Ensemble muss die Vorstellung Der Hals der Giraffe heute leider ersatzlos entfallen. Bereits gekaufte Karten werden innerhalb von 14 Tagen an der Theaterkasse zurückgenommen oder umgetauscht.
Box
20.00 - 21.15
Kammerspiele
20.00 - 22.15