Das Deutsche Theater trauert um seinen ehemaligen Intendanten Bernd Wilms 

„Verweile doch“

… der Satz stand damals als Leuchtinstallation in großen Lettern vor dem Eingang des Deutschen Theaters. Es war das Jahr 2008 – ein besonderes Jahr in der Geschichte des Hauses. Denn Bernd Wilms, der Intendant des Theaters, hatte zum Ende seiner Intendanz das Theaterglück auf seine Seite gebracht. Das Haus wurde mit Auszeichnungen überhäuft. Und dieser Erfolg hatte Gründe: Bernd Wilms war selbst kein Regisseur, aber ein uneitler Ermöglicher, ein Erfinder und Menschenkenner, ein Verfechter des Handwerks, einer, der aus Niederlagen stärker wurde. Nach schwierigen Anfangsjahren war Bernd Wilms weitsichtig genug gewesen, Regisseur:innen wie Jürgen Gosch, Dimiter Gotscheff, Barbara Frey und Michael Thalheimer ans Haus zu binden und mit viel Freiheit auszustatten. Das Ergebnis waren Sternstunden, getragen von einem unvergleichlichen Ensemble, das über die sieben Jahre seiner Intendanz aus alt und neu, Ost und West zusammengewachsen war. 

Begonnen hatte der 1940 in Solingen geborene Bernd Wilms aber ganz woanders: 1963 an einer der kleinsten Bühnen des Landes, als Assistent am Tübinger Zimmertheater. Später führten ihn seine Wege als Dramaturg über Wuppertal, Hamburg und Bremen nach München. Von 1986 bis 1991 leitete er dort die Otto-Falkenberg-Schule. In den frühen 1990ern profilierte er als Intendant das Mehrspartentheater in Ulm mit riskanten Premieren, die ihn in der Provinzpresse zur ungeliebten Figur machten und seine Ulmer Zeit beendeten. So kam Bernd Wilms ans Gorki-Theater, das er als undogmatischer, teamgeistfähiger, ensemblefester und stets aufs Neue bedachter Theatermensch zum Erfolgsmodell machte. 

Das Theater, das Bernd Wilms liebte, war reich an unterschiedlichen Farben – bei allem Reichtum aber hintergründig und er hatte Sinn für Unterhaltung. Als Theatermacher, der über den Schwank promovierte und sich als Ivan Nagels Dramaturg mit Offenbach-Operetten beschäftigt hatte, machte er Angebote an viele, an jeden einzelnen. 

Mit seinem klugen Blick hat Bernd Wilms am Deutschen Theater eine Ära geprägt. Er hat das Haus zu großen Höhen geführt und aufgehört, als es am allerschönsten war. Das Deutsche Theater erinnert sich an ihn als einen Entdecker, Förderer und kollegialen Theaterleiter. Viele Menschen in unserem Haus sind Bernd Wilms in großer Dankbarkeit verbunden. „Verweile doch“ – der Faustsche Appell ans Leben stand über seinen Theatertüren. Nun ist Bernd Wilms am 21. Januar im Alter von 85 Jahren verstorben.