Fragebogen mit Rüya Yatkın (32)
Beruflich mache ich gerade: Hauptberuflich Lehrerin
DT Jung* und ich ...
Das ist das zweite Mal, ich war schon zu sehen als Thea in Frühlings Erwachen (DT Jung*, 2010/11).
Das Thema Einsamkeit ...
War mir nie fremd, aber ich habe tatsächlich nie aktiv über Einsamkeit nachgedacht. Erst seit den Auswahlworkshops für Lonely Hearts befasse ich mich intensiver mit ihr. So kam es, dass ich Menschen in meinem engeren Umfeld das erste Mal direkt gefragt habe, ob sie sich eigentlich mal einsam fühlen und wenn ja, in welchen Situationen. Habt ihr das schon mal getan? Ich denke nämlich, es ist eher unüblich, dass man aus dem Nichts solche Gespräche führt, dabei waren sie sehr aufschlussreich für mich. Ich hatte auch den Eindruck, dass sich die Befragten in dem Moment nicht allein in ihrer Einsamkeit gefühlt haben, denn sie wurden gesehen.
Was bedeutet es für dich einsam zu sein?
Es ist für mich wie ein stummer Schrei nach Nähe, die ich in dem Moment aus irgendeinem Grund nicht haben kann.
Wann warst du zum letzten Mal einsam? / Wann warst du zum ersten Mal einsam?
Kann ich nicht genau sagen. Ich weiß, dass ich mich bei meinen längeren Auslandsaufenthalten immer mal wieder einsam gefühlt habe, auch, wenn es genau das war, was ich zu dem Zeitpunkt wollte! Wahrscheinlich gab es aber schon als Kind Momente der Einsamkeit, dafür müsste ich jetzt aber in meinen Erinnerungen kramen...
Worin, falls, besteht für dich ein Unterschied zwischen einsam und allein (sein)?
Einsamkeit suche ich mir nicht aus, sie schmerzt oft. Alleinsein hingegen wähle ich i.d.R. selbst, ich brauche sie von Zeit zu Zeit und kann sie dann auch genießen.
Was tust du gegen das einsam sein?
Menschen kontaktieren, die mir nahe sind, die mir gut tun, mit denen ich sein kann.
Bist du gerne einsam – manchmal, immer, oder ...?
Nein, ich bin nicht gerne einsam. Aber es ist ein menschliches Erleben und manchmal nicht zu vermeiden.
Gib uns doch einen kurzen Einblick in eure Proben – worum geht's? Was beschäftigt dich am meisten?
Die Proben sind (noch) nicht anstrengend. Das hat viel damit zu tun, dass die Zusammenarbeit im Ensemble und mit dem Regieteam gut funktioniert und damit, dass wir alle weiterhin Interesse an dem Thema haben. Durch die verschiedenen Inputs denken wir Einsamkeit immer wieder neu, was, finde ich, sehr bereichernd ist.
Was macht eure Probenarbeit mit dir und wie erlebst du den Austausch zu dem Thema Einsamkeit?
Die ganze Arbeit schafft bei mir persönlich mehr Bewusstsein und sensibilisiert. Natürlich ist Einsamkeit i.d.R. allen ein Begriff, aber wie entsteht sie? Was macht sie aus? Wie geht Mensch mit ihr um? Wann wird sie gefährlich...? All das sind Fragen, die wir uns gestellt haben. Wir haben uns Dokus angesehen, ebenso Videobeiträge, Statistiken, Interviews. Wir bekamen Besuch von dem Psychiater und Stressforscher Mazda Adli, sowie von der Politikerin und Unternehmerin Diana Kinnert. Dabei gab immer einen regen Austausch, aber nicht immer eine konkrete Antwort.
Was sind deine Erwartungen an deine Teilnahme bei diesem Projekt? Was soll oder kann dieser Abend mit anderen Menschen machen?
Ich wünsche mir, dass Menschen sich durch das Stück gesehen und gehört fühlen. Dass sie sich mit einigen Texten/Bildern/Erfahrungen identifizieren können, zum Austausch angeregt werden und im Anschluss an das Stück womöglich selber Fragen oder Gedanken haben, die sie dann in andere Kreise tragen. Es ist ein sehr aktuelles Thema, das mehrperspektivisch betrachtet werden muss und ich bin sehr froh, dass es einen Platz im kulturellen Bereich bekommt. Das ist ein guter Anfang!
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