Fischer Fritz

von Raphaela Bardutzky
REGIE Enrico Lübbe
Übersetzung der polnischen Textteile von Aleksandra Lukoszek

  • Kammer
  • DT ATT
  • Uraufführung
  • Koproduktion mit dem Schauspiel Leipzig

Premiere am 18.06.2022

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Inhalt

Fischer Fritz fischt keine Fische mehr. Er hatte einen Schlaganfall. Damit ist die Tradition gerissen, es gibt nun keinen Fischer mehr am kleinen Fluss im kleinen Dorf. Denn auch Fritz' Sohn Franz fischt nurmehr noch als Hobby, er ist in die große Stadt gezogen. Aber ob es eh noch viele Fische gibt, da kann man sich auch nicht sicher sein. Unsicher ist auch, wie es nun mit Fritz weitergehen soll in seinem Zustand. Sprechen ist schwierig, und schon aus Protest hat er sich jetzt aufs Schweigen verlegt. Aber sein Denken ist klar: „Gar nix gehd weida", denkt der Fritz, „i bin a Wrack." Ein Heim kommt für ihn trotzdem nicht in Frage. Wenig später fährt Piotra mit einigen anderen Frauen in einem Bus von Polen nach Deutschland. Sie sind auf dem Weg, um sich als Live-in-Pflegekräfte rund um die Uhr zu kümmern um Menschen wie Fritz und all die anderen, um die sich sonst keiner kümmern könnte oder würde in den großen Städten und kleinen Dörfern. „Uwazaj na siebie. Tu na tym koncu swiata", pass auf dich auf hier in der Pampa, heißt es im Bus, als Piotra schließlich an Fritz' Häuschen aussteigt. Von dem Aufeinandertreffen so unterschiedlicher Figuren als neue Familie auf Zeit erzählt Raphaela Bardutzky: Bei Fischer Fritz begegnen sich Heimat und Fremde, Ländlichkeit und Großstadt, verschiedene Sprachen und ähnliche Eisamkeiten. Und nicht immer verlaufen die Linien so, wie man es zu ahnen vermeint. Raphaela Bardutzky entwickelt ihre Geschichte und ihre Themen in Fischer Fritz sehr spielerisch und auf theatral offene Weise: „Fri" und „Fra" und „P" nennt sie das Personal ihres Stückes — im Kern an je eine der Hauptfiguren/ angedockt, spielen diese drei auch alle anderen Figuren. Dabei ist Fischer Fritz nicht nur ein Sprechtheater, wie es im Untertitel heißt, sondern auch ein Sprachtheater. Ein Stück, das schnell zwischen den Ebenen und Situationen, den Sprachen und Dialekten switcht - und die Figuren können das auch. Figuren, die auch die Gedanken der anderen mitunter hören können (oder sie eh kennen), die sich ins Wort fallen und die alle gemeinsam eine besondere Geschichte erzählen: von drei Lebenswegen und ihren Bedingungen in unserer Gegenwart.

Raphaela Bardutzky studierte Schauspieldramaturgie, Philosophie und Literaturwissenschaft an der Bayerischen Theaterakademie August Everding und der LMU München. Anschließend arbeitete sie als Script-Consultant und Lektorin im Art-House Filmbereich. Gemeinsam mit Theresa Seraphin gründete sie 2016 das „Netzwerk der Münchner Theatertexter:innen”. Ihr Stück Wüstling wurde 2017 mit dem Münchner Literaturstipendium ausgezeichnet.

Ihr Drama Fischer Fritz erhielt 2021 Nominierungen für den Heidelberger Stückemarkt sowie den „Förderpreis für Neue Dramatik" an den Münchner Kammerspielen, wo es mit dem Publi-kumspreis prämiert wurde. Seit 2019 gehört Raphaela Bardutzky zum Kurator:innen-Team der LIX Lesereihe im Münchner Theater HochX. Sie gibt Workshops und unterrichtete von 2018 bis 2021 „Schreiben für Film und Theater” am Institut für Theaterwissenschaft der LMU München. Raphaela Bardutzky lebt in München.

Besetzung und Regieteam

Regie Enrico Lübbe Bühne Hugo Gretler Kostüme Sabine Blickenstorfer Musik Philipp Rumsch  Dramaturgie Torsten Buß und Matthias Döpke

mit Mira Fajfer, Amal Keller, Julia Preuß

 

Dauer

1 Stunde 30 Minuten, 0 Pausen

Premiere

18.06.2022

Hinweise

Fischer Fritz wurde nach den ATT 2022 ins Repertoire am Schauspiel Leipzig übernommen.