Hool
nach dem Roman von Philipp Winkler
REGIE Adrian Figueroa
Premiere am 01.12.2018
Inhalt
„Ich stehe im Bad und betrachte mein Spiegelbild. Es wird von den Rissen im Glas verzerrt und ich muss mich drauf konzentrieren, die Teile wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammenzusetzen. Ich sehe mich an. Nicht das Mutantenspiegelbild, sondern das zusammengesetzte, echte Puzzle-Ich. "Gut gemacht", wiederhole ich und versuche, mir so in die Augen zu sehen, als ob hinter dem Spiegel eine echte Person stünde, die man loben müsste.”
Der Blick in den Spiegel nach dem letzten Match offenbart ein angeschlagenes Leben, das endgültig auseinander zu fallen droht. Das Fundament war nie sonderlich stabil: Eine wirkliche Familie gab es in Heikos Leben nicht. Die Mutter lässt die Kinder beim alkoholkranken Vater zurück. Ihm hat Heiko nichts mehr zu sagen und auch bei den Frauen in seinem Leben, seiner Schwester Manuela und bei Ex-Freundin Yvonne, fehlten ihm die Worte. Sie sind in seinem Kopf, kommen aber nicht heraus.
Sehr präsent sind jedoch Poborsky und Bigfoot, zwei Kampfhunde und der Geier Siegfried. Um die kümmert sich Heiko und um Heiko kümmert sich Onkel Axel, Patriarch der Hooliganszene. Vor allem aber sind da die Jugendfreunde: Kai, Ulf, Jojo. Außer dem einen, der fehlt. Mit seinen Blutsbrüdern schlägt er sich durch für das, was ihm alles ist: Hannover 96, die Hools, ihr Mythos und die dritte Halbzeit nach dem Spiel. Mit unbändigem, toxischem Zorn führt Heiko einen immer einsameren Kampf, als seine Ersatzfamilie erwachsen wird und andere Wege wählt.
Adrian Figueroa verlagert das Drama in einen klaustrophobischen Kopfraum und splittet die Hauptfigur auf: Vier erwachsene Spieler und vier Kinder erzählen, wie Heiko der wurde, der er ist. Wie der Tunnelblick einsetzt und die Wut zum Motor wird, um etwas festzuhalten, was längst verloren ist.
Vielen Dank an Judith Hofmann für das Einsprechen der Rolle Manuela.
Besetzung und Regieteam
REGIE Adrian Figueroa AUSSTATTUNG Irina Schicketanz MUSIK Miguel Toro VIDEO Adrian Figueroa, Philipp Figueroa DRAMATURGIE Birgit Lengers
mit Christoph Franken, Sascha Göpel, Liou Kleemann, Jeremy Mockridge, Friedrich von Schönfels, Oskar von Schönfels, Loris Sichrovsky, Caner Sunar
Pressestimmen
„Präzise, energiegeladene Acht-Männer-Sprechathletik, zu der Regisseur Adrian Figueroa den Hooligan-Roman "Hool" von Philipp Winkler in der DT-Box gestaucht hat. [...] Ihre Gewalt nur zerstört auf Dauer natürlich mehr, als ihnen lieb ist. Deshalb lässt Figueroa sie in einem schwarz-weißen Projektionskasten agieren, über dessen Wände dauerhaft Störzeichen flackern, während für ihre heilen Kindheitsträume vier Schüler in einem bunten Kinderzimmer auftauchen, das an die Rückwand gebaut wie ein Hologramm aus dem Nichts erscheint. Toll gemacht, toll gespielt.” Doris Meierhenrich, Berliner Zeitung, 03.12.2018
„Die vier Heikos sind dauerangespannt, stets am Rand des Berstens – was sich am eindrucksvollsten und unmittelbarsten in einer eigentlich redundant erscheinenden Szene zeigt, in der Mockridge sich durch eine Pokalauslosung improvisiert und dabei jeden Moment droht, komplett die Kontrolle über sich und seine Situation zu verlieren. Da verwandelt sich das Lachen urplötzlich in Schrecken, der dann unkomfortabel wieder weggelacht werden muss.” Sascha Krieger, Stage and Screen, 18.12.2018
Premiere
01.12.2018