Lulu oder Wer fickt hier wen NACH Frank Wedekind

Sw: Ich kann nicht mehr malen. Aber ich muss malen.

Lu: Ich bin etwas jung für mein Alter.

Sw: Was ist das eigentlich für ein Stoff? Und deine komischen Strümpfe.

Auftritt Schön

: Pass bloß auf.
Ich rauch ja nicht mehr.
Was macht eigentlich deine kleine Tänzerin?

Sw: Hast du was genommen?

: Die hat so eine weiße Haut, wie ich sie noch nirgends gesehen habe. Für ein Stück Schlachtvieh mag das ja ganz angebracht sein. Musst du noch nichtmal bezahlen deine kleine exotische Schlampe. Behandle sie doch einfach als Stillleben. Ich glaub es hat geklopft.

Abgang Schwarz
Auftritt Schwarz, Abgang Schön

Sw: Ich finde das widerlich.

Lu: Spielst du bitte was für mich?
Mein Herz. Mein Herz tut so weh. Mein Herz tut so weh. Mein Herz tut so weh. Mein Herz tut so weh. Mein Herz ist gebrochen. Mein Herz tut so weh. Mein Herz tut so weh. Mein Herz ist gebrochen. Mein Herz tut so weh.

Sw: Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich fucking liebe dich. Nelli!

Lu: Ich heiße nicht Nelli. Ich heiße Lulu.

Sw: Verstellst du dich? Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Hallo, ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Verstehst du mich den gar nicht? Ich liebe dich. Ich liebe dich.
Mein Herz geht Kaputt.
Komm her jetzt.
Hat es geklopft?
Hat nicht geklopft.

Auftritt Schön

: Hab dich nicht so.
Du bringst mich um Schlaf und Verstand
Für dich geb ich dem Wahnsinn die Hand
Und Rand und Band ziehn Ohne mich auf‘s Land
Ich bin außer dir
Was hast du da an deiner Hand?

Lu: Einen Ring.

Abgang Schwarz

Lu und Sö: Du bringst mich um Schlaf und Verstand
Für dich geb ich dem Wahnsinn die Hand
Und Rand und Band ziehn Ohne mich auf‘s Land

: Und was hat das zu bedeuten?

Lu: Ist ein Verlobungsring.

: Eine Frage...
Liebst du mich?
Geh weg. Zieh dir was an. Zieh dir doch eindlich mal was an.

Abgang Lulu

: Mein Herz zerbricht. Mein Herz zerbricht.

Auftritt Schwarz

Sw: Alles gut?

: Spinnst du? Bist du bekloppt? Was soll das?

Sw: Ich kann nicht mehr malen! Ich kann nicht mehr malen! Ich spür nur noch sie. Durch sie. Nach ihr. Mir ihr. Auf sie. Das ist alles einfach zu viel. Ich kann nicht mehr atmen. Aber ich muss doch atmen. Nimm sie doch endlich weg. Ich muss durch Farben kommunizieren. Ich muss wieder was empfinden. Ich muss wieder malen können. Du hilfst mir. Du hilfst mir. Du nimmst sie mir ab. Ich brauch Zeit. Lulu ist Gift gegen die Zeit. Vorher, nachher: alles stoppt.

Auftritt Lulu

Lu: Spielt nochmal was.
Ich bin sehr sanft, nenn mich Kamille,
meine Finger sind zärtlich baun Kirchen in deiner Hand,
meine Nägel Flügelschuppen von Engeln liebkosen, ich bin der Sommer der Herbst selbst der Winter im
Frühling, möchte ich bei euch sein, ihr zeigst mir das Land, wir gehn von See zu See, da braucht es ein langes glückliches Leben, die Fische sind zwei, die Vögel baun Nester,
wir stehn auf demselben Blatt.

Abgang Schwarz

: Du weißt, was jetzt...
Bitte. Ich hab es dir vor zwei Jahren schon gesagt.

Lu: Ich verstehe nicht.

: Das weiß ich. Deswegen möchte ich jetzt mit dir darüber sprechen.

Lu: Worüber?

: Ich bitte dich, deine Besuche bei mir einzustellen.

Lu: Willst du was trinken? Eine Zigarette? Soll ich dir einen blasen?

: Verstehst du, was ich sage?

Lu: Und wie stellst du dir das überhaupt vor?

: Ich ersuche deinen Mann, deine Wege zu überwachen. Du brauchst meine
Vertraulichkeit nicht mehr.

Lu: Was fürchtest du denn überhaupt?

: Ich habe eine Verlobte. Verstehst du das? Ich habe den Wunsch meine Frau unter ein reines Dach zu führen.

Lu: Ja. Sie ist wirklich total aufgeblüht in den letzten zwei Jahren. Sö: Ja, ist sie!

Lu: Wir können uns treffen, wo es dir angemessen erscheint.

: Wir werden uns nirgends mehr treffen.

Lu: Du glaubst selber nicht, was du da sagst. Sö: Schwarz ist mein Freund geworden.

Lu: Meiner auch.

: Er ist ein Kindergemüt.

Lu: Ach ja, findest du?

: Er wäre dir sonst längst auf die Spur gekommen.

Lu: Ich wünschte nichts mehr. Er ist so banal. Er sieht nichts. Er sieht mich nicht und sich nicht. Er ist blind, blind, blind. Ich verkomme. Er kennt mich gar nicht. Was bin ich ihm? Alles ist ihm gleich. Er liebt mich.... einfach so. Er kennt mich nicht, aber er liebt mich.

Sö: Wieviele Menschen würden sich in deinem Fall Gott weiß wie selig preisen. Freue dich doch bitte darüber. Bitte.

Lu: Ich träume aber so oft von dir.

: Wohnach sehnst du dich denn zurück? Dann lass uns doch jetzt zum Ende kommen.

Lu: Nein. Bitte. Wenn ich auch nur einem Menschen auf dieser Welt angehöre, gehöre ich dir. Ohne dich bin ich nichts. Wer sonst auf der Welt, hat denn je etwas für mich übrig gehabt? Ich mache alles was du willst. Aber auf Kommando lieben, das kann ich nicht.

: Lass mich aus den Spiel. Ich bin nicht gekommen um Skandal zu machen. Ich bin gekommen um mir den Skandal vom Hals zu schaffen. Ich hatte vorausgesetzt, mit einem Mann wie Schwarz, würdest du dich endlich zufrieden geben. Wenn du mir verpflichtet bist, dann hör auf dich mir in den Weg zu werfen. Warum, zum Teufel, kannst du mich nicht lassen?

Lu: Was hättest du dann? Das Kind fällt dir auf die Nerven. Das Kind ist viel zu sorgfältig erzogen. Du täuschst dich selber, wenn du glaubst, mir mit deiner
bevorstehenden Verheiratung Verachtung entgegenbringen zu dürfen.

: Verachtung? Lass mir meine Freiheit, zu leben, was ich zu leben habe.

Auftritt Schwarz

Sw: Ich weiß jetzt was ich mache. Ich habe einen Plan und der wird auch erfolg haben. Ich werd wieder malen können. Ich muss meine eigene Sprache finden. Meine Bildsprache, die muss ich finden. Und ich weiß, die muss auch erstmal jemand verstehen. Wenn ich für die Gesellschaft leicht rezipierbar arbeite, wird sie mich schnell verstehen und genau so schnell wieder fallen lassen. Wenn ich dann meinen ganz persönlichen Weg gehe, in dem Moment bin ich erstmal gar nicht in der Lage Erfolg zu haben. Aber wenn ich das dann ausformuliere, dass das Symbolcharakter bekommt, dann wird die Gesellschaft das mögen. Der Markt wird das mögen. Ich brauche Zeit. Du bist Gift gegen die Zeit.

: Dank mir, hast du das erste Mal geküsst Dank mir, bist du der Mann, der du jetzt bist Dank mir, hast du dein Studium geschafft Dank mir, hast du die Frau, die du jetzt hast

Sö und Sw: Wir haben so viel miteinander schon erlebt Merkst du nicht, dass ohne mich dir etwas fehlt
Wann immer du mich brauchtest war ich da
Jetzt stößt du mich weg und sagst mir, ich wär zu nah Das ist doch quatsch
Du bist ganz durcheinander, weißt genau, wie gehören zueinander

Sw: Dank dir, seh ich das Leben manchmal blau Dank dir, spring ich im viereck, werde grau
Dank dir, seh ich rot und ganz genau
Ohne dich wär ich traurig und einfach viel zu schlau

Sö und Sw: Wir haben so viel miteinander schon erlebt
Merkst du nicht, dass ohne mich dir etwas fehlt
Wann immer du mich brauchtest war ich da
Jetzt stößt du mich weg und sagst mir, ich wär zu nah. Das ist doch quatsch Du bist ganz durcheinander, weißt genau, wir gehören zueinander
Denn ohne mich, wärst du nur halb so interessant Ohne mich, wärst du nur halb so elegant
Ohne mich, wärst du doch nur ein Elefant
Ohne mich, bist du doch vollkommen unentspannt. Und du sagst, uns trennten doch nun Welten Warum tust du das, ich will dir doch nur helfen Wann immer du mich brauchtest war ich da
Jetzt stößt du mich weg und sagst mir, ich wär zu nah
Das ist doch quatsch
Du bist ganz durcheinander, weißt genau, wie gehören zueinander

Lu: Ich wollte auch noch was sagen. Ich werde nämlich heute, das heißt eigentlich jetzt gleich mein Leben beenden. Wir haben ja schonmal darüber gesprochen. Ich habe mir das lange überlegt. Ich hab für alles gesorgt. Ihr könnt danach mit dem Handy die Polizei anrufen. Die werden dann den Umschlag finden. Da ist alles drin. Beerdigung, Abschiedsbrief, Erbe.
Ich hab mir eine Pille besorgt aus der Schweiz. Ich werd mir aber zur Vorsicht auch die Pulsadern aufschneiden in der Badewanne. Ich weiß, das wird eine ziemliche Sauerei. Ja.