Programmzettel disconnected

Dramaturgy of Care  von Karla Mäder und Viola Novak

‌disconnected entstand im Rahmen von Young  Europe V, der bereits 5. Ausgabe eines Programms des Netzwerks European Theatre Convention, das zuletzt mit dem Art Explora Award ausgezeichnet wurde. Neun europäische Partnertheater gehen dabei der Idee einer „Dramaturgy of Care“ nach. Bis 2027 entstehen so zwischen Schweden und der Slowakei, Rumänien, Zypern, den Niederlanden nicht weniger als neun neue Klassenzimmerstücke. Im Zentrum steht die Frage, wie „Care“ nicht nur zum Inhalt eines Theaterstücks werden kann, sondern auch zu einer Art von Theaterpraxis. 

Care? Im Deutschen ein schwieriges Wort, weil nur vieldeutig und mehrsilbig übersetzbar, z. B. in unserem Kontext vielleicht als „Fürsorge“. Deswegen benutzt man inzwischen meist das englische Wort – auch, weil im Deutschen das stirnzerfurchende Wort „Sorge“ mitschwingt, das irgendwie oft ungute Gefühle hervorruft.

Fürsorge kann Schutz bedeuten. Oder Verantwortung. Auch Liebe, Zärtlichkeit, Solidarität schwingen mit.  Kann Fürsorge aber nicht auch heißen, jemanden an seine Grenzen zu bringen – weil man glaubt, dass er damit zurechtkommt? Schließlich kann man ein Publikum auch herausfordern, anstatt es in Watte zu packen. Und sollte Fürsorge nicht auch die Möglichkeit beinhalten, verschiedene Blickwinkel auf lebensrelevante Themen zu werfen, Fragen zu stellen, anstatt Antworten zu geben, Auseinandersetzung zu fördern, um dem passiven Konsumieren entgegenzuwirken und zu empowern? Who cares? And about what?

→ … Am 3.8. hast du folgendes in euren Klassenchat geschrieben …  Lilly

Wir wollen mit dieser Arbeit ein junges Publikum ernsthaft, emotional, intellektuell und körperlich ansprechen und die Jugendlichen als komplexe Individuen in einer komplexen Welt anerkennen. Für uns bedeutet das,  junge Menschen ab der 8. Klassenstufe nicht nur als Publikum wahrzunehmen, sondern sie aktiv in den künstlerischen Prozess und auch in die Aufführung mit einzubeziehen und ihre Perspektiven zu einem lebendigen, sich mit jeder Gruppe von Zusehenden verändernden Teil  der künstlerischen Arbeit zu machen.

Ausgangspunkt für disconnected war das Thema Einsamkeit. In Workshops an Berliner Schulen kamen  wir darüber ins Gespräch. Dabei wurde schnell deutlich, dass Einsamkeit heute oft aus digitalen Technologien entsteht und mit deren Lebenswelten verknüpft ist: mit Künstlicher Intelligenz, Social Media, virtuellen Beziehungen. Bald kristallisierte sich die Frage heraus, wie unser Zusammenleben sich entwickeln wird, wenn digitale Nähe beginnt, reale Nähe zu ersetzen.

Auf Grundlage dieser Gespräche entwickelte die Berliner Autorin Elisabeth Pape den Stücktext. Durch Schreibworkshops, Lesungen, Gespräche und Feedbackrunden mit Schulklassen wurde dieser immer wieder hinterfragt, überarbeitet und weiterentwickelt. Während der Proben setzte sich der Austausch mit weiteren Schulklassen fort. Und nach der Premiere wird es einen offenen Schreibworkshop im DT geben, der über die gesamte Spielzeit läuft.

So zeigt sich die Idee einer „Dramaturgy of Care“ nicht nur im Thema des Stücks, sondern auch in seiner Entstehung und in seinem Nachleben: im Zuhören, im gemeinsamen Nachdenken und in der Überzeugung, dass Jugendliche Expertinnen und Experten ihrer eigenen Lebenswirklichkeit sind – und beträchtliches kreatives Potenzial haben können, das in die Zukunft weist. 

→ Der Mensch, wie der so ein geiles Herz hat. Lilly

Connected
Klub der Schreibenden

→ 13 – 20 JAHRE

Welche Themen beschäftigen Dich?
Welche Geschich ten möchtest Du hören?

Wenn Du nach dem Anschauen des Stücks Lust hast, selbst auszuprobieren, wie kreatives Schreiben geht, komm in den Schreibklub am Deutschen Theater! Er richtet sich an Menschen zwischen 13 und 20 Jahren und will einen Raum etablieren, der das „Sich-connecten“ in den Vordergrund rückt.  Es ist eine offene Gruppe, die sich laufend über neue Mitglieder freut.

Das Theaterstück disconnected wurde von der Berliner Autorin Elisabeth Pape geschrieben, die u. a. auch in Workshops an Berliner Schulen Inspiration für ihren Text gesammelt hat. Als sie ungefähr in Deinem Alter war, war sie Mitglied im Jugendclub vom Deutschen Theater. Und heute ist sie Anfang 30 und eine erfolgreiche Autorin, die sowohl Theaterstücke als auch Romane schreibt.  Ihr letzter Roman heißt z. B. Halbe Portion und schildert das Leben eines jungen Mädchens, das in prekären familiären Verhältnissen aufwächst.  

LEITUNG Elisabeth Pape
THEATERPÄDAGOGIK Donji Angaji
TERMINE hier anmelden oder einfach montags  vorbeikommen    

Danke

Während der Vorbereitungs- und Probenzeit haben aus folgenden Schulen Klassen der Stufen 8 bis 11 an der Entwicklung des Theaterstücks mitgewirkt. Wir danken sowohl den Lehrpersonen, die uns eingeladen haben, als auch den Schülerinnen und Schülern für den Austausch und die Inspirationen!  

→ Heinz-Berggruen-Gymnasium, Westend  
→ Berlin Kolleg der VHS Tempelhof-Schöneberg
→ Max-Beckmann-Oberschule, Reinickendorf
→ Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasium, Spandau
→ Integrierte Sekundar- und   Europaschule Georg von Giesche, Schöneberg
→ Thomas-Mann-Gymnasium, Reinickendorf  
→ Berlin Bilingual School Pfefferwerk gGmbH, Pankow  
→ Ernst-Abbe-Gymnasium, Neukölln 

 

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