Liebes Publikum,
was haben wir, ja, WIR: Sie, unser Ensemble und alle Mitarbeitenden hier, alles geschafft in nunmehr schon fast drei Spielzeiten meiner Intendanz am Deutschen Theater!
Unter anderem dies: Sie, ja SIE haben uns schöne Rekorde am Deutschen Theater beschert. Bis Mitte März konnten wir den Verkauf von Eintrittskarten um 8 Prozent steigern und unsere Ticketeinnahmen stiegen über die letzten zwei Jahre sogar um 23 Prozent. Und dies, obwohl fast jede vierte Eintrittskarte zu reduzierten Preisen
an Schüler:innen und Student:innen verkauft wurde! Eine Investition in die Zukunft, die allen Berliner Theatern und ganz allgemein der Gesellschaft zugutekommt. Danke Ihnen dafür!
Erlauben Sie mir einen kurzen Rückblick.
Wie Sie wissen, musste ich, noch bevor der vom Senat sehr kurzfristig angekündigte Sparzwang mit 1,588 Millionen Euro im Winter 2024 über uns hereinbrach, eine Verschuldung im Übergang der Intendanzen bewältigen. Insgesamt haben wir seitdem unser Budget um mehr als 10 Prozent des Gesamtbudgets reduziert. Eine Maßnahme war die Verringerung der Anzahl unserer Premieren, ohne an Qualität, künstlerischer Strahlkraft und Publikumsinteresse einzubüßen
Die Atmosphäre im Haus lebt von Ihnen: Ihren stehenden Ovationen z. B. für Nikolaus Habjan und sein virtuoses Spiel mit Klappmaul-Puppen, Ihren Zwischenrufen bei den Räubern, Ihrer hohen Konzentriertheit bei Die Marquise von O. und –, dem gemeinsamen Lachen und Gruseln im Hospital der Geister (Inklusion vom Feinsten mit den RambaZamba-Darsteller:innen neben u. a. Wolfram Koch, Anja Schneider und Ulrich Matthes), der spürbaren Begeisterung für Maren Eggert in Der erste fiese Typ – und immer wieder Ihrer Dialogbereitschaft bei DT Kontext. Wir durften in diesem Format, das meist unentgeltlich vor den Vorstellungen stattfindet, anhand von Themen aus unseren Stücken bislang an die 25.000 Menschen in Gespräche und ein gemeinsames Nachdenken über gesellschaftliche Zusammenhänge verwickeln.
Egal ob Sie DT Bühne, Kammer, Box, Rangfoyer, Kantine, Vorplatz oder die Bar samt Terrasse besuchen – Sie gehen nicht einfach bei uns ins Theater, sondern verbringen Abende mit uns. Das freut uns und zeigt: Das Deutsche Theater ist D A S Theater der Stadt Berlin.
Nicht nur ist es das älteste Sprechtheater der Stadt – es ist an diesem Standort beinahe 200 Jahre alt und gleichzeitig 17 Jahre DT Jung*; in seiner DNA findet sich eine der ersten elektrischen Bühnendrehscheiben, die Durchsetzung des Naturalismus als dramatische Form, die Erfindung des Wortes „Kammerspiele“ für einen intimen Theaterraum. Es finden sich unzählige wichtige Theaternamen, die Gründung der ersten Schauspielschule, die jetzt Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch heißt, akademische Neuerfindungen wie die Theaterwissenschaft, bedeutende historische Ereignisse wie die Demonstration vom 4. November 1989, die hier ihren Ursprung hatte – es ist fast unmöglich aufzuzählen, was alles seinen Ausgangspunkt in der intellektuell und kreativ anregenden Atmosphäre dieses Hauses nahm.
Und auch Sie tragen bei jedem Ihrer Besuche zu dieser einzigartigen Atmosphäre bei. Umso mehr freue ich mich auf viele weitere gemeinsame Abende mit Ihnen!
Wir sehen uns im Deutschen Theater!
Mit besten Grüßen
Iris Laufenberg