Traumalandschaften Auf der Schotterpiste der Geschichte
mit Terézia Mora (Schriftstellerin), Prof. Malek Bajbouj (Professor für Psychiatrie und Affektive Neurowissenschaften, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité)
MODERATION André Mumot
Inhalt
Mit Die Holländerinnen hat Dorothee Elmiger einen Roman über das Unfassbare geschrieben, über den Schatten der Schuld, der an die Ränder der Zivilisation führt und europäische Gewaltgeschichte im Dickicht des Urwalds von Panama aufspürt.
Ausgehend von Elmigers Erzählung trifft die mehrfach preisgekrönte Schriftstellerin Terézia Mora auf den „Traumaforscher“ Malek Bajbouj. Beide erforschen auf unterschiedliche Weise traumatische Erfahrungen, die sich häufig einer normalen, geschlossenen Erzählung entziehen. Trauma ist gerade dadurch gekennzeichnet, dass ein Ereignis nicht problemlos in eine zusammenhängende Geschichte integriert werden kann. Wie lässt sich dennoch davon erzählen?
Trauma, Gewalt und Fremdheit gehören zu den zentralen Themen in Terézia Moras Werk. In Büchern wie Alle Tage, Das Ungeheuer oder Muna oder die Hälfte des Lebens hat sie das Unbeschreibliche in Sprache und in die Form eines Textes übersetzt – und die Grenzen der literarischen Darstellbarkeit ausgelotet. Zurzeit schreibt sie an einem Buch, dessen Ausgangspunkt ein familiäres Trauma ist, das im Zusammenhang mit der Vertreibung ihrer deutschsprachigen Familie aus Ungarn steht.
Malek Bajbouj ist Psychiater und Neurologe und behandelt vielfach geflüchtete Menschen mit traumatischen Erfahrungen. Ihn beschäftigt die Frage, ob man Traumata heilen kann, obwohl sich ihre Schäden anscheinend vererben. Im Rahmen seiner Arbeit wendet er Methoden der narrativen Expositionstherapie an, ein therapeutisches Verfahren autobiografischen Erzählens, um Traumata aufzulösen.
Was geschieht mit Erinnerungen, wenn etwas so gewaltvoll ist, dass es sich einer Geschichte entzieht. Und wie schreiben sich solche Erfahrungen in Menschen, Gemeinschaften und Folgegenerationen ein? Wie können wir den Kreislauf von Leid und Gewalt erkennen und durchbrechen? Und welche Möglichkeiten eröffnen sich durch das literarische Schreiben?