Dieses Kind
von Joël Pommerat
REGIE Lily Sykes
Premiere am 21.02.2014
Inhalt
Eine Fünfjährige siezt ihren eigenen Vater und weiß nicht, ob sie traurig sein wird, wenn sie ihn jetzt zum letzten Mal sieht. Eine Mutter redet ihrer Tochter ein, dass sie unglücklich werden wird, weil sie anders ist, als die Mutter sie sich gewünscht hat. Eine junge Frau verschenkt ihr Neugeborenes an ein älteres Ehepaar, weil sie das Beste für es will. Eine Mutter muss eine Leiche identifizieren, die ihr Kind sein könnte. Ein Sohn gesteht seinem Vater ein ganz anderer Vater sein zu wollen, damit sein Sohn ihn ohne Angst ansehen kann. Eine Mutter bittet ihre Tochter um Verzeihung für ihre Härte. Die Tochter bittet sie zu gehen.
Keine Beziehung ist so existentiell, prägend, so tief- und auch abgründig wie die zwischen Eltern und Kindern. Sie steht am Beginn und begleitet uns lebenslang. Ideologisch aufgeladen mit Heilserwartungen und Imperativen werden stets die besten Absichten behauptet: Du sollst Vater und Mutter ehren. Du sollst eine gute Mutter sein. Ein Kind soll dich glücklich machen. Eltern wollen nur das Beste für ihre Kinder. Kinder geben dem Leben Sinn. Aus dieser Fallhöhe beziehen die 10 dichten, präzise komponierten Szenen von Joël Pommerat ihre emotionale Wucht. Auf ihr gründen sich die Unerbittlichkeit der Vorwürfe, die Unverzeihlichkeit der Verletzungen aber auch die Unnachgiebigkeit, mit der man nicht voneinander lassen kann.
Die Regisseurin Lily Sykes hat das aufwühlende Beziehungsmosaik, in dem sich Macht und Ohnmacht stets überraschend verschieben, mit einem Vier-Generationen Ensemble aus Kindern, Jugendlichen und Schauspielern des DT inszeniert.
Besetzung und Regieteam
REGIE Lily Sykes BÜHNE Jelena Nagorni KOSTÜME Linda Tiebel MUSIK Ingo Schröder DRAMATURGIE Birgit Lengers
mit Gabriele Heinz, Katrin Klein, Maike Knirsch, Bernd Moss, Bernd Stempel, Ingraban von Stolzmann / Philipp Adrian Djokic, Lenz Lengers / Emil von Schönfels, Adele Matzat / Luzie Priegan
Pressestimmen
„Es wirkt in dieser Inszenierung keineswegs als oberflächlicher Effekt, dass hier professionelle Schauspieler mit jungen Laien, Erwachsene und Kinder gemeinsam auf der Bühne stehen. Die britische Regisseurin Lily Sykes bringt es mit einiger Leichtigkeit fertig, dass die verschiedenen Generationen miteinander buchstäblich ins Spiel kommen. Und sie ist so geschickt, ihren Darstellern nicht nur Naturton abzuverlangen, sondern einzelne der zehn Szenen satirisch oder surreal wirken zu lassen, ihnen damit eine gewisse Zeichenhaftigkeit über den direkten Vorgang hinaus zu geben.” Peter Hans Göpfert, rbb kulturradio, 22.02.2014
„Mit lustvollem, schiefem Grinsen schwelgt die beunruhigend direkte, offennervige, noch nicht endmontierte Jungschauspielerin Maike Knirsch in Rachefantasien und Kraftträumen. Mit dem Glück des kommenden Kindes will sie ihre Mutter im Muttersein übertrumpfen: „das wird sie fertig machen. das wird sie nicht verkraften.“Als sie das Kind − ein Stoffbündel − dann in den Armen hält, schreit sie selbst wie ein Neugeborenes. Es scheint so, dass Maike Knirsch nicht lange in ihrer Seele nach diesen vorsprachlichen Verlassenheits-, Weltschmerz- und Weltangsttönen suchen muss. Sie klingen so überzeugend, dass man sich fragt, warum man eigentlich jemals selbst aufgehört hat, wie ein Säugling die Welt anzuschreien.” Ulrich Seidler, Berliner Zeitung, 24.02.2014
Dauer
1 Stunde 20 Minuten, 0 Pausen
Premiere
21.02.2014