Schillernde Gedanken: Von der Liebe zur Kabale und den Räubern der Liebe
mit Daniel Richter (DT-Dramaturg, Literaturwissenschaftler)
Inhalt
Friedrich Schiller wird als Ikone des deutschen Kulturbürgertums gefeiert, als Nationalheiliger. Interessant wird es aber, Schiller in seinen frühen Jahren als Schriftsteller zu betrachten, denn da wendet er sich gerade gegen Fehlentwicklungen im aufstrebenden Bürgertum und zeigt schonungslos die Dialektik der bürgerlichen Aufklärung auf. Seine frühen Dramen Die Räuber und Kabale und Liebe spiegeln nicht nur Schillers Kritik am Adel, sondern seine radikalste Kritik gilt dem Bürgertum selbst: dessen Übernahme eines aristokratischen Habitus, dessen Besitzdenken und Doppelmoral. Schiller also als Whistleblower und Nestbeschmutzer?
Daniel Richter ist Dramaturg am DT, kommt aber ursprünglich von der Literatur. An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn studierte er Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Ältere Deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Philosophie und schloss mit dem Magister Artium ab. Seine akademische Qualifikation führte ihn im Rahmen eines renommierten deutsch-italienischen Forschungskollegs an die Universität Florenz, wo er zu Goethes Faust II als ästhetische Selbstschöpfung forschte. In seinen Arbeiten nimmt er vorzugsweise eine kulturanthropologische Perspektive zu ästhetischen Fragestellungen der Moderne ein. Lehraufträge an zahlreichen Universitäten und Hochschulen.