Walls - Iphigenia in Exile
Koreanisch-deutsche Koproduktion
Premiere am 23.10.2016
Inhalt
Es sind traurige, berührende, schillernde Geschichten, die vier koreanische und ein deutscher Regisseur gemeinsam an einem Abend erzählen: Geschichten von geflüchteten Frauen, die in der Fremde keinen Halt finden, von Nordkoreanerinnen, die ihre Kinder zurücklassen und sich nach ihnen sehnen, aber auch solche aus Deutschland, vor dem Mauerfall und heute. Sie alle eint die Erkenntnis, dass ideelle Mauern für Betroffene oftmals unüberwindlicher und traumatischer sind als physische.
Keine Angst vor Niemand – so das Motto der Spielzeit 2016/2017 am Deutschen Theater. Es ruft auf, in Zeiten der Verunsicherung aufeinander zuzugehen und miteinander zu sprechen, kurz: Grenzen zu überwinden anstatt neue zu errichten. In diesem Sinne steht unsere Koproduktion Walls – Iphigenia in Exile. Korea und Deutschland sind durch die Erfahrungen der inneren Teilung geprägte Länder, zudem sind beide in hohem Maße durch Technologie und Wohlstand bestimmt und haben Tendenzen, zur Wahrung dieses Wohlstandes neue Grenzen zu ziehen.
Welche Rolle spielen diese "Walls" für uns – die historischen, die heutigen, die auf den Landkarten und die in den Köpfen der Menschen? 1779 schrieb Goethe – dem Humanismus verpflichtet – Iphigenie auf Tauris. Darin wird der Dialog idealisiert: Iphigenie und Thoas überwinden die sie trennenden Grenzen durch das Miteinander-Sprechen und Einander-Zuhören. Der "Kampf der Kulturen" findet ein gutes Ende. Goethes Drama ist die Folie, auf der sich "grenzüberschreitend" Theatermacher_Innen und Texte aus Korea und Deutschland begegnen und zu einer Inszenierung in zwei Sprachen kulminieren. Europa trifft auf Asien – Historie, Tradition und Theaterformen begegnen sich – ein Spannungsfeld aus Gemeinsamkeiten und Differenzen: Welche Erzählungen beschäftigen uns? Welche Ästhetiken? Welche Rolle spielt die Historie für uns? Was bedeutet "Wiedervereinigung"? Warum ist die Furcht, etwas zu verlieren, in beiden Ländern so groß? Wen sperren wir aus – und wen sperren wir ein?
Premiere
23.10.2016
Besetzung und Regieteam
- Regie ZinA Choi, Tilmann Köhler, Kon Yi, Jungung Yang, Kyung-Sung Lee
- Bühne und Kostüme Karoly Risz
- Video und Sound Daniel Hengst
- Dramaturgie Sonja Anders, Ulrich Beck, Danbi Yi