Nachruf Zum Tod von Rosa von Praunheim
Das Deutsche Theater verliert mit Rosa von Praunheim einen geliebten Künstler und einen engen Weggefährten. Rosa von Praunheim war ein Tausendsassa: Filmemacher, Produzent, Schreiber und Dichter, begnadeter Maler, Aktivist und einer der großen Wegbereiter der Schwulen-Bewegung in Deutschland und weltweit. Filme, Interviews, Ausstellungen, Buchprojekte: Rosas Wohnung war ein lebendes Atelier; er arbeitete immer und an vielem gleichzeitig. Er war ein unruhiger Geist, der unsere Gegenwart mit Polemik und Neugier, Schärfe und Witz analysierte, dauerbedichtete und dauerbesang.
Dass Rosa seit einigen Jahren auch Theaterstücke geschrieben und inszeniert hat, hat viel mit dem Deutschen Theater zu tun: Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht war sein erstes Stück – das Stück eines späten Debütanten; ein Theaterabend über sich selbst, geschrieben und uraufgeführt mit den beiden kongenialen Bühnenpartnern Heiner Bomhard und Božidar Kocevski im Jahr 2018 zum Anlass seines 75. Geburtstags. Auch sein zweites Theaterstück, Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs, kam als eine Produktion der Autor:innenTheaterTage in den Kammerspielen zur Uraufführung. Mit dem Stück Die Insel der Perversen, in dem er über seinen eigenen Tod erzählt, hat Rosa seine DT-Trilogie im Jahr 2024 beendet. Aber was heißt hier schon beendet?!
In einem Liebesbrief, den Rosa von Praunheim dem Deutschen Theater am 7. Februar 2022 geschrieben hat, heißt es:
„Warum ich fürs Theater schreibe, bzw überhaupt schreibe, Bilder male und Filme mache und warum ich Künstler und damit etwas Besonderes, also praktisch ein Auserwählter bin, also ein Perverser, der keinen Sport liebt und keine Autos und keine Popmusik, aber Stofftiere und Kröten aus Plastik. Und auch Erdbeerfrösche?
Das Schönste am Theater sind die Pausen, wenn man über andere lästern kann, wenn man sich über das Gesehene aufregen kann. Und das Beste am Theater ist das unsichtbare Theater, im Café, in der U-Bahn oder nachts im Park, wenn nackte Männer durch die Büsche hüpfen. Das allerschönste Theater sind Beerdigungen, wenn Leute Liebe vorgaukeln. Und das allerallerschönste Theater ist die eigene Beerdigung. Damit ich davon etwas habe, feiere ich am 16. Oktober 2023 meine eigene am Alten St.-Matthäus-Friedhof in Berlin, denn eine besoffene Wahrsagerin sagte mir einst dieses Datum voraus. Ich wäre dann kurz vor meinem 81. Geburtstag, und ich freue mich schon unbändig darauf. Bis dahin habe ich noch Zeit, viele Theaterstücke, Filme und Romane zu schreiben.
Mit einem Gedicht möchte ich schließen:
Jedes Gedicht hat ein Gesicht
eines des Todes und eins der Geburt
Beide sehen gleich aus
das ist die Tragik und deshalb lieben wir das Theater
Gruß
Rosa von Praunheim
PS: Ich mache natürlich über meinem Tod hinaus weiter, das nennt man Post Mortem Theater“
Lieber Rosa,
immer, wenn Du hier bei uns warst, hattest Du ein Geschenk für uns dabei – meistens Würmer oder Spinnen aus Plastik. Oder andere schöne Dinge. Heute wollen wir Dir was schenken: Einen Luftkuss. Du bist der Beste! Viel Spaß bei Deiner Beerdigung. Und danach auf Deiner rosa Wolke. Wir vermissen Dich und hören Dich von Ferne lachen.
Dein DT