Sophie Rois fährt gegen die Wand im Deutschen Theater

nach dem Roman Die Wand von Marlen Haushofer
Kostüme Tabea Braun
Musik Max Knoth
Dramaturgie Bernd Isele
Premiere
31. Januar 2020
Deutsches Theater
Sophie Rois
Die Zeit
Katja Nicodemus, 05.02.2020
Der Raum ist Sophie Rois. Wenn sie nicht klettert – das Publikum stöhnt auf, wenn sie an der Steilwand abzurutschen droht –, sitzt sie auf einem kleinen grünen Sofa und sagt Haushofer-Sätze. [...]

Rois singt Bob Dylans Like a Rolling Stone auf Österreichisch: "Allaan wie a Staan". Sie ist triumphal einsam. Sie braucht kein Stück vom Kuchen und schon gar nicht das größte, weil sie selbst die Torte und zugleich die Kirsche auf der Torte ist. Ja, sie ist sich selbst und uns die Nächste, Schrägste, Einzige, wenn sie aus der Zeitung vorliest, die ihre Heldin in der Jagdhütte gefunden hat: "Grenzenlos telefonieren ohne Aufpreis? Hahahahaha!", "Feuilleton? Hahahahaha!"
Der Raum ist Sophie Rois. Wenn sie nicht klettert – das Publikum stöhnt auf, wenn sie an der Steilwand abzurutschen droht –, sitzt sie auf einem kleinen grünen Sofa und sagt Haushofer-Sätze. [...]

Rois singt Bob Dylans Like a Rolling Stone auf Österreichisch: "Allaan wie a Staan". Sie ist triumphal einsam. Sie braucht kein Stück vom Kuchen und schon gar nicht das größte, weil sie selbst die Torte und zugleich die Kirsche auf der Torte ist. Ja, sie ist sich selbst und uns die Nächste, Schrägste, Einzige, wenn sie aus der Zeitung vorliest, die ihre Heldin in der Jagdhütte gefunden hat: "Grenzenlos telefonieren ohne Aufpreis? Hahahahaha!", "Feuilleton? Hahahahaha!"
Berliner Morgenpost
Katrin Pauly, 02.02.2020
Es ist schon sehr virtuos, wie Sophie Rois sich die ausgewählten Themen und Textstellen in perfektem Ton aneignet, wie sie von distanzierter Ironie zu kindlicher Verzückung wechselt, wie ein fragendes In-Sich-Hineinhorchen zu echter Verblüffung führt. Es sind dabei vor allem die genussvollen Momente der Einsamkeit, die sie auskostet: Die Stille, der plötzlich so ruhige, tiefe Schlaf. Dazu turnt sie sehr dekorativ über das Tortenmassiv, das mal Jagdhütte, mal Felswand ist, sie kriecht hinein, knabbert es an, benutzt eine große halbe Erdbeere als Kopfkissen. [...]

Das alles ist schon ganz herrlich anzusehen. Und dann singt sie auch noch, immer mal wieder und mit wunderbarem Wiener Schmäh, ganz zum Schluss zum Beispiel "Allan wia a stan", die österreichische Version von Bob Dylans "Like a Rolling Stone", ein echter "Hach"-Moment, an den sich ein einigermaßen verliebter und vor allem sehr üppiger Schlussapplaus anschließt.

Es ist schon sehr virtuos, wie Sophie Rois sich die ausgewählten Themen und Textstellen in perfektem Ton aneignet, wie sie von distanzierter Ironie zu kindlicher Verzückung wechselt, wie ein fragendes In-Sich-Hineinhorchen zu echter Verblüffung führt. Es sind dabei vor allem die genussvollen Momente der Einsamkeit, die sie auskostet: Die Stille, der plötzlich so ruhige, tiefe Schlaf. Dazu turnt sie sehr dekorativ über das Tortenmassiv, das mal Jagdhütte, mal Felswand ist, sie kriecht hinein, knabbert es an, benutzt eine große halbe Erdbeere als Kopfkissen. [...]

Das alles ist schon ganz herrlich anzusehen. Und dann singt sie auch noch, immer mal wieder und mit wunderbarem Wiener Schmäh, ganz zum Schluss zum Beispiel "Allan wia a stan", die österreichische Version von Bob Dylans "Like a Rolling Stone", ein echter "Hach"-Moment, an den sich ein einigermaßen verliebter und vor allem sehr üppiger Schlussapplaus anschließt.

Berliner Zeitung
Ulrich Seidler, 03.02.2020
Und wenn Sophie Rois den Sahnegipfel erklimmt und von oben die Flinte aus der Hüfte knapp am Parkett vorbei abfeuert – "wieder einer" – dann ist das mehr als eine Pose feministischer Ermächtigung. Dann ist die asketische, trostbefreite, aber eben echte und dringliche Wirklichkeit, von der der Roman erzählt, zu einem goldenen Pudding für eine glorreiche und fröhliche Apotheose der Frau gereift. 

[…] Auf den ersten Blick macht das die Sache vielleicht ein bisschen harmlos, aber vielleicht rutscht einem der Text auf diese Weise tiefer ins Gehirn und hakt sich dort ein: "[…] Ich kann mir erlauben, die Wahrheit zu schrieben, alle, denen zuliebe ich mein Leben lang gelogen habe, sind tot." Das Parkett war nicht tot, es applaudiert nach einer kurzen Stunde fröhlich, während Sophie Rois und ihr Team an der Rampe tanzen.
Und wenn Sophie Rois den Sahnegipfel erklimmt und von oben die Flinte aus der Hüfte knapp am Parkett vorbei abfeuert – "wieder einer" – dann ist das mehr als eine Pose feministischer Ermächtigung. Dann ist die asketische, trostbefreite, aber eben echte und dringliche Wirklichkeit, von der der Roman erzählt, zu einem goldenen Pudding für eine glorreiche und fröhliche Apotheose der Frau gereift. 

[…] Auf den ersten Blick macht das die Sache vielleicht ein bisschen harmlos, aber vielleicht rutscht einem der Text auf diese Weise tiefer ins Gehirn und hakt sich dort ein: "[…] Ich kann mir erlauben, die Wahrheit zu schrieben, alle, denen zuliebe ich mein Leben lang gelogen habe, sind tot." Das Parkett war nicht tot, es applaudiert nach einer kurzen Stunde fröhlich, während Sophie Rois und ihr Team an der Rampe tanzen.
Der Tagesspiegel
Patrick Wildermann, 02.02.2020
Sophie Rois macht sie [die Prosa] sich mit schelmisch-galligem Vergnügen zu Eigen. Als Katastrophentouristin im Textmassiv, mit geschultertem Gewehr, das gern mal unerwartet in die Parkett-Gemütlichkeit knallt, führt sie in kurzweiligen 75 Minuten die Freuden der totalen Folgenlosigkeit vor. [...] Und beschließt den Soloabend mit einer alpinen Version von "Like a Rolling Stone", die mindestens so viel Spaß macht wie ein Kaffeehausbesuch mit inspirierender Lektüre. Sophie Rois macht sie [die Prosa] sich mit schelmisch-galligem Vergnügen zu Eigen. Als Katastrophentouristin im Textmassiv, mit geschultertem Gewehr, das gern mal unerwartet in die Parkett-Gemütlichkeit knallt, führt sie in kurzweiligen 75 Minuten die Freuden der totalen Folgenlosigkeit vor. [...] Und beschließt den Soloabend mit einer alpinen Version von "Like a Rolling Stone", die mindestens so viel Spaß macht wie ein Kaffeehausbesuch mit inspirierender Lektüre.
rbb Inforadio
Ute Büsing, 01.02.2020
Ein Stoff wie gemacht für Sophie Rois und ihre Erzählkunst. Ein Stoff wie gemacht für Sophie Rois und ihre Erzählkunst.
rbbKultur
Barbara Behrendt, 01.02.2020
Es ist ihr Soloabend und sie [Sophie Rois] ist mit so viel Spiellust zugange, dass diese gute Laune einfach ansteckt. Sie legt sich quer über das Sofa, lässt sich von der Drehbühne im Kreis drehen und schwärmt mit ihrer unnachahmlich kecken, derben und charmanten Art von der Stille in der Natur […].

Von der Decke kommt ein gigantisches Stück Erdbeertorte aus Schaumstoff geschwebt. Ein Gebirge an Torte mit Schlag, das Rois dann erklimmt, durchschwimmt und anknabbert wie Gretel das Hexenhaus. […] Das ist ein schön absurdes Bild, wie sie da auf der Sahneschnitte liegt, eine halbe Erdbeere als Kopfkissen, und über die Natur sinniert.

[…] Man kommt wirklich beschwingt und auch herzerwärmt, dem Gedankenspiel nachhängend aus dem Theater.
Es ist ihr Soloabend und sie [Sophie Rois] ist mit so viel Spiellust zugange, dass diese gute Laune einfach ansteckt. Sie legt sich quer über das Sofa, lässt sich von der Drehbühne im Kreis drehen und schwärmt mit ihrer unnachahmlich kecken, derben und charmanten Art von der Stille in der Natur […].

Von der Decke kommt ein gigantisches Stück Erdbeertorte aus Schaumstoff geschwebt. Ein Gebirge an Torte mit Schlag, das Rois dann erklimmt, durchschwimmt und anknabbert wie Gretel das Hexenhaus. […] Das ist ein schön absurdes Bild, wie sie da auf der Sahneschnitte liegt, eine halbe Erdbeere als Kopfkissen, und über die Natur sinniert.

[…] Man kommt wirklich beschwingt und auch herzerwärmt, dem Gedankenspiel nachhängend aus dem Theater.
Märkische Allgemeine Zeitung
Frank Dietschreit, 03.02.2020
Es gibt zwar auf der Bühne keine Berge und keinen Wald, auch keine undurchdringliche Glaswand, die sie vom Rest der Welt abschottet, einer Welt, auf der nach einer Katastrophe sämtliches Leben zum Erliegen gekommen ist. Aber natürlich kann sich Rois das alles vorstellen und ausmalen, sprachlich und musikalisch zum Klingen bringen. Sie braucht keine fünf Minuten, schon hat sie das Publikum um den Finger gewickelt, nimmt es mit auf einer Reise in die Abgründe der Fantasie und die Freiheiten des Theaters: Wer, wenn nicht die wunderbar wandelbare, kurios krächzende, schräg singende Sophie Rois könnte uns weismachen, dass die Apokalypse fröhlich und das Alleinsein eine wahre Freude ist. Es gibt zwar auf der Bühne keine Berge und keinen Wald, auch keine undurchdringliche Glaswand, die sie vom Rest der Welt abschottet, einer Welt, auf der nach einer Katastrophe sämtliches Leben zum Erliegen gekommen ist. Aber natürlich kann sich Rois das alles vorstellen und ausmalen, sprachlich und musikalisch zum Klingen bringen. Sie braucht keine fünf Minuten, schon hat sie das Publikum um den Finger gewickelt, nimmt es mit auf einer Reise in die Abgründe der Fantasie und die Freiheiten des Theaters: Wer, wenn nicht die wunderbar wandelbare, kurios krächzende, schräg singende Sophie Rois könnte uns weismachen, dass die Apokalypse fröhlich und das Alleinsein eine wahre Freude ist.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Simon Strauss, 18.02.2020
Rois spielt die Rolle der stetig betrübter werdenden Aussteigerin mit grandioser Grandezza. Mit jener unverkennbaren Stimme, die irgendwo zwischen sanftem Bauchgrummeln und jubilierendem Kehlkrächzen angesiedelt ist. Die Virtuosität, mit der sie immer neue Töne hervorbringt, ist umwerfend.

[...] Und dann, ehe man auch nur einmal die Gedanken abschweifen oder das Augenlid zucken lassen konnte, ist der Abend schon wieder zu Ende. Mit einem "Das war's Folks" verlässt Rois unter tobendem Applaus die Bühne.

[...] Sophie Rois – die große Eigenartige, mit einer Stimme, gebildet wie aus allen Wundern der Welt.
Rois spielt die Rolle der stetig betrübter werdenden Aussteigerin mit grandioser Grandezza. Mit jener unverkennbaren Stimme, die irgendwo zwischen sanftem Bauchgrummeln und jubilierendem Kehlkrächzen angesiedelt ist. Die Virtuosität, mit der sie immer neue Töne hervorbringt, ist umwerfend.

[...] Und dann, ehe man auch nur einmal die Gedanken abschweifen oder das Augenlid zucken lassen konnte, ist der Abend schon wieder zu Ende. Mit einem "Das war's Folks" verlässt Rois unter tobendem Applaus die Bühne.

[...] Sophie Rois – die große Eigenartige, mit einer Stimme, gebildet wie aus allen Wundern der Welt.

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