The Cold Reminder (AT)
von Sam Max nach dem Roman A Single Man von Christopher Isherwood Deutsch von Maria Milisavljević
REGIE Sam Max
Premiere am 11.12.2026
Inhalt
Routine und Fassade: Christopher Isherwood schildert in seinem 1964 erschienenen Roman A Single Man einen Tag im Leben des Hochschullehrers George Falconer. Die tiefe Einsamkeit des schwulen Mannes nach dem Tod seines Lebensgefährten nimmt der junge amerikanische Autor und Regisseur Sam Max zum Ausgangspunkt seiner Bearbeitung, die dem Original huldigt und über es hinausweist. Fragen nach dem Finden eines stabilen Selbst, nach gesellschaftlicher Akzeptanz und Zugehörigkeit in zunehmend komplexen sozialen Räumen bleiben unvermindert aktuell.
Sam Max schreibt über seine Lektüre von A Single Man: „Wir sehen im Roman die inneren Vorgänge eines Mannes, der verzweifelt nach Beziehungen zu anderen sucht, aber gleichzeitig mit Trauer und internalisierter schwuler Scham kämpft. Dies führt zu Selbstsabotage und hält ihn von genau jenen Verbindungen fern, die er sich so sehr wünscht. Die Begegnungen werden zu einer Art Spiegelkabinett, aus dem er nicht entkommen kann. Überall, wo er hingeht, sieht er seine verlorenen Träume und seine verlorene Liebe, und er kämpft darum, die Erzählung seines Lebens für sich selbst neu zu schreiben. Gleichzeitig sehen wir das Porträt einer Gesellschaft, die sowohl auf latente, mikroaggressive Weise homophob ist, als auch auf extreme, direkte Weise. Meine Adaption konzentriert sich nicht nur darauf, ein Charakterporträt von George durch seine Beziehungen zu zeichnen, sondern auch auf die Erzeugung dramatischer Spannung durch die Beschäftigung mit dem Tod und Todesfällen im homosexuellen Milieu Amerikas.”
A Cold Reminder lautet der Originaltitel des Stücks von Sam Max. Und dieser (nicht leicht zu übersetzende) „kalte Denkzettel” ist auch Basis für die ästhetische Idee der Inszenierung, die mit dem zirkulären Charakter der Zeit spielt. Der Originaltitel ist inspiriert von einer Sentenz aus dem Roman, die uns daran erinnert, das unerbittliche Verstreichen der Zeit ernst zu nehmen: „But now isn’t simply now. Now is also a cold reminder: one whole day later than yesterday, one year later than last year. Every now is labeled with its date, rendering all past nows obsolete, until – later or sooner – perhaps, no, not perhaps – quite certainly: it will come.” (Aber Jetzt ist nicht einfach jetzt. Jetzt ist auch ein kalter Denkzettel: ein ganzer Tag vergangen seit gestern, ein Jahr später als letztes Jahr. Jedes Jetzt ist mit einem Datum markiert, das jedes vergangene Jetzt obsolet macht, bis vielleicht – früher oder später – nein, nicht vielleicht, ziemlich sicher: Er wird kommen.)
Premiere
11.12.2026
Besetzung und Regieteam
- Regie Sam Max
- Bühne Matthias Nebel
- Kostüme Katrin Wolfermann
- Musik Matthias Grübel
- Licht Thomas Langguth
- Dramaturgie Karla Mäder