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Wer war Anna Gmeyner? Ihre Enkelin erinnert sich

Sie schrieb 1932 ein Stück über einen Epochenumbruch, der auch uns nicht fremd sein kann: Wer aber war Anna Gmeyner? Ihre Enkelin Lalage Bosanquet wandelt im DT auf den Spuren ihrer Großmutter, bei der Premiere von Automatenbüfett am 23.06.2026, inszeniert von Jan Bosse – und erinnert sich an eine Frau, deren Genius viel zu lang im Schatten der Vergangenheit lag.

Anna Gmeyners Theaterstück Automatenbüfett von 1932 reimt sich auf unsere Zeit: eine kleine Welt voll Armut und Hunger, Vereinsleben und Männerbünde, Gewalt und Lebensmüdigkeit, aber auch Durchhaltevermögen, Gemeinschaft und Solidarität. Wer aber war diese Autorin – und was hat es ihrem Werk auf sich?

Die Uraufführung von Automatenbüfett fand am Hamburger Thalia Theater statt; am 25. Dezember 1932, einen Monat vor Hitlers Machtergreifung, folgte dann in Berlin eine Premiere. Die Kritiker-Größen Herbert Ihering und Alfred Kerr, die selten einer Meinung waren, lobten einstimmig die Originalität des Stücks. Kurz zuvor wurde die dreißigjährige Autorin bei der Verleihung des Kleistpreises mit einer „lobenden Erwähnung“ als „neues Komödientalent“ charakterisiert.

Das war der Höhe- und bald auch Endpunkt der Karriere der ehrgeizigen und begabten Autorin, die als alleinerziehende Mutter, Jüdin und Sozialistin ein dreifacher Fluch traf. Im Exil gab sie ihre eigenen literarischen Ambitionen auf, wurde als Autorin vergessen und starb 1991 hochbetagt in England. Sie hat noch erleben dürfen, wie die westdeutsche Germanistik in den 1980er Jahren ihre frühen Werke wiederentdeckte. In den theaterverrückten 1920er Jahren war sie aus ihrer Heimatstadt Wien nach Berlin übersiedelt. Sie arbeitete u. a. als Dramaturgin an Erwin Piscators Volksbühne und war sicherlich auch in Max Reinhardts Deutschem Theater hin und wieder als Zuschauerin zu Gast. Ein Jahrhundert später ist sie wieder Berlin.