© Thomas Aurin Ulrich Matthes, Andri Schenardi

Der Fall McNeal

von Ayad Akhtar aus dem Englischen von Daniel Kehlmann
REGIE András Dömötör 

  • DT Bühne

Premiere am 26.09.2025

Inhalt

  • Todesangst
  • Schaffensrausch
  • Größenwahn

Jacob McNeal ist das Paradebeispiel für den sprichwörtlichen alten weißen Mann. Er scheint geradezu der Prototyp einer heute als toxisch gebrandmarkten Männlichkeit zu sein: ein berühmter US-amerikanischer Schriftsteller Ende 60, ein Charismatiker mit einem Alkoholproblem und verstörender Ehrlichkeit, prominent, erfolgreich, raumgreifend. Für seine Werke hat er ohne Rücksicht auf Verluste sich selbst, seine Beziehungen und seine Gesundheit ausgebeutet und ruiniert. Doch auf dem Höhepunkt seines Ruhms (Literaturnobelpreis) und am Ende seines Lebens (Leberzirrhose) holt ihn seine Vergangenheit ein. Und gleichzeitig überholt ihn eine Technologie, die die Literaturproduktion verändert: Künstliche Intelligenz, die in rasender Schnelligkeit Texte zu produzieren imstande ist – ausgewiesernermaßen bestsellertauglich.  

Das Stück variiert inhaltlich und auch formal eine der großen poetologischen Grundfesten: die Tatsache, dass Literatur selten ganz originär ist und jeder Autor oder jede Autorin zunächst immer auch Leser oder Leserin ist und im Weiteren auch die eigenen und die Geschichten derer, die sie umgeben, ausbeutet. Lesend arbeitet er oder sie sich bewusst oder unbewusst mit dem eigenen Schaffen an anderen Werken ab, genau wie die KI, die auch mit Texten und Daten gefüttert sein muss, damit sie etwas schreiben kann.  

Wird die Zukunft der Kunst eine sein, in der preiswert und schnell schmerz- und geräuschlos produziertes Mittelmaß die Welt überflutet, das niemandem mehr weh tut, aber viele unterhält und ablenkt? Und was wird KI im Kunstkontext künftig sein: Spielzeug, Assistent oder erstzunehmende Konkurrenz? Werden mit neuen Medien auch die Grenzen des Sagbaren neu definiert, z.B. indem die Darstellung von Suizid und Gewalt, Rassismus und Frauenfeindlichkeit als nicht mehr erwünscht unterdrückt wird? Und nicht zuletzt: Kann sich Theater als einer der letzten Orte analoger Vergemeinschaftung und potenziell anarchischer Möglichkeiten behaupten gegen die digitale Gleichförmigkeit und Vereinzelung, die schon jetzt rasant um sich greift und zu einer ganz neuen Form von Einsamkeit und Beeinflussbarkeit führt, weil oft nicht mehr klar ist, was echt und was fake ist? 

All diesen Fragen geht Der Fall McNeal nach – als nachdenklich machendes well made play, dem eine technologische, moralische und literaturtheoretische Problematik zugrunde liegt.

zum Programmzettel

Dauer

1 Stunde 45 Minuten, keine Pause

Premiere

26.09.2025

Hinweise

DT Kontext begleitet diese Inszenierung mit folgender Veranstaltung: 

Digitale Seelen und die perfekte Illusion mit Hans Block (Dokumentarfilmregisseur) am 02.03.2026

Gedanken lesen, in Gehirne schreiben mit Dr. Christoph Bublitz (Neuro-Ethiker, Rechtswissenschaftler) am 01.04.2026

Tauchen Sie tiefer ein in die Themen der Inszenierung mit unserem Podcast kontext_files – zum Anhören vor oder nach der Vorstellung:

kontext_files | The (un)answered question: Kann KI Kunst?
Zu Gast: Marcus Lobbes (Direktor Akademie für Theater und Digitalität, Dortmund) 

kontext_files | Digitale Seelen und die perfekte Illusion: Wenn künstliche Intelligenz uns ersetzt
Zu Gast: Hans Block (Dokumentarfilmregisseur)

kontext_files | Gedanken lesen, in Gehirne schreiben
Zu Gast: mit Dr. Christoph Bublitz (Neuroethiker und Rechtwissenschaftler)

Besetzung und Regieteam

Trailer

Untertitel können bei Bedarf über das Untertitel-Symbol im Videoplayer aktiviert werden.

Termine → Der Fall McNeal

  • Mi., 01. April 2026

    von Ayad Akhtar aus dem Englischen von Daniel Kehlmann
    REGIE András Dömötör 

    • ab Klasse 10

    DT Bühne

    01.04.2026

    20:00 → 21:45 Uhr

Kritiken: Stimmen zum Stück